Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 213 (sequence 5)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 213 werden die Juden, auch die Christen sind Juden, immer werden sie neue Götter bringen.« Soll ich noch einmal sagen, daß es Gallimathias ist? Man möchte Wassermann mit Heine zurufen: »Laß die Mücken und die Juden, laß den Heiland und die Juden, laß die Mohren und die Juden!« Zur Vollendung ihrer Philosophie führt Jeanette den keuschen Agathon zu einem sehr, sehr zwanglosen Karnevalsfest und nach Hause zurückgekehrt, wird er, man kann es nicht anders sagen, ein Opfer der Verführung seiner Base; sie will ihm ja zeigen, daß die Welt aus Schmutz besteht. »Auch du mußtest fallen ... du willst die Sinnlichkeit wieder auf den Thron setzen, den sie seit 2000Jahren verlassen hat . . . aber eher kannst du dein Hirn verbrennen oder du mußt neue Menschen formen.« Er verläßt sie und gelangt nach längerer Wanderung nach Fürth, wo Frau Olifat mit Monika wohnt. Diese fordert ihn auf, sie an ihrem Verführer Gudstikker zu rächen, aber wie er vor diesen tritt, fühlt er all seine Kraft wie Verblasen. »Es war die Lüge selbst, die ihm entgegentrat. ... Er ist eine jüdische Natur, (Gudstikker ist nicht Jude) dachte Agathon plötzlich, indem er das Wort in seinem häßlichsten Sinn faßte; Gudstikker schien ihm der jüdischste Mensch, den er je getroffen.« Das ist vielleicht die — kühnste unter den zahlreichen Kühnheitendes objektiven Dichters. Agathon verlangt gar keine Rechenschaft weiter, folgt vielmehr seiner Aufforderung, einmal eine Nacht lang sein Begleiter zu sein. Sie besuchen — Bordelle, so daß Agathon sein Ziel in der Ferne zu nichts zerstäuben sieht vor diesem Elend. »Ich denke,« sagt Gudstikker jovial, »meine Dienste haben Ihnen gut getan. Die Welt ist viel größer als Sie glauben.« Agathon ist im tiefsten Herzen verzweifelt. Um sich zu beruhigen sucht er Bojesen auf; er findet ihn als Trunkenbold. Noch einmal sieht er Jeanette, die in das unselige Schicksal Ludwigs II. verwickelt ist. Auch der Thron soll