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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 212

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 212 (sequence 4)
Language
German
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212 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman schlägt ein Blitz in den Turm; es war, nicht nur symbolisch, ein Gewitter herautgezogen. Feuerwehr rasselt heran. Agathon steigt auf eine Bank und gellt hinaus in den Raum mit einer Stimme, als ob es gälte, über den ganzen Erdkreis hinzuschreien: »Laßt sie brennen, die Kirche!« Er ruft es noch einmal und — diesmal ist es symbolisch. Ein Priester stürzt auf ihn zu. Agathon entflieht und zieht nun — siehe Buddha! — im Lande umher. Geld braucht er keins. Die Leute geben ihm, was er braucht, sie sind in hohem Grade von ihm eingenommen. »Er hatte eine außerordentliche Milde, zu lächeln. Er war schön und groß. Nie grübelte er, sondern träumte nur. Sein Blick hatte etwas von dem unbestimmten Blick eines Pferdes edler Rasse.« Das ist also das höchste Ideal. Er kehrt aber doch in die Stadt zurück und findet auch Jeanette, die gleichfalls wieder in die Heimat gekommen ist, weil der König — es ist der unglückliche Ludwig II. — sie zu sehen wünsche. Sie philosophiert mit Agathon: »Daß wir beide Juden sein müssen! Ich fühle das ganze Alter des Judentums auf meinen Schultern und alle seine Verbrechen, alle seine Leiden. Ich habe alle seine Fehler in mir; ich bin der pure Verstand und die pure Schwäche. Ich bin grüblerisch und scheu, feig und frech, ich liebe die Nacht und das Orgelspiel und bin gern geistreich, wie du siehst. Und du? . . . Wie kommst du zu uns mit deiner reinen Stirn?« Dazwischen einige lüsterne Szenen und dann die Frage: Wer bist du? Was willst du? Nun, er will, ein umgekehrter Christus, den Menschen den Himmel nehmen und ihnen die Erde geben, die reine Erde ohne Kreuz, ohne Abfall, ohne Verzicht, ohne Abrechnung mit einem droben. ... »Es müßte ein Glanz sein, der von einem zum andern strahlt und . . . alle Juden müßten ausgerottet werden, nicht der Körper, aber der Geist, denn aller Glauben ist Judentum. Immer

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