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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 211

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1914-01-01
Page
Seite 211 (sequence 3)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 211 Lügen und Phrasen und trügerischen Gesetzen und scheinheiligen Göttern. Und er haßte die Zeit, die sinnlos hinrollende, atemlose Zeit, die Hoffnung gibt, um sie nur mit dem Tode einzulösen. . . .« (Man vergesse ja nicht, daß es die Gedanken und Gefühle eines siebzehnjährigen Jungen sind.) Gleichwohl erfüllte ihn die ungeheuerste Sehnsucht nach dem Leben irgendwo da draußen, und er beschloß auszugehen, wie einst David, der sich ein Königreich gewann.« Und so verläßt er seine Familie, trotzdem daß — oder gerade weil — sein Vater auf den Tod liegt, »denn zwischen ihm und seinem Vater durfte kein Band mehr sein.« Bojesen hat mit seiner Stellung jeden Halt verloren. Ich würde das nicht anführen, wenn nicht eine Folge davon wäre, daß er nun Stunden gibt und von einem atheistischen jüdischen Witwer, dessen Kinder er unterrichtet, ein Buch Gudstikkers erhält, in dem er »viel Gewandtheit der Dar- Stellung, viele blendende Einzelheiten, viel Wollen, das nicht zur Kraft entwickelt war, findet, und jenes wunderbare Spiel mit Natürlichkeit, jene überspannte Romantik der Gefühle, die sich um einfache Wirkungen herumlügt, weil sie des Einfachen nicht fähig ist.« Ich sage, ich führe das an, weil es m. E. eine treffende Selbstkritik der »Juden von Zirndorf« ist. Agathon hat sich nach Nürnberg gewendet. Hier ist es einem Herrn Estrich mit Nieberdings Geldunterstützung gelungen, Gold, wirkliches Gold zu machen. Im Rausch des Entzückens über die Erfindung, die jedes Elend stillen könne (wirklich?), stürzt er aus dem Hause und wirft sein noch vorhandenes Geld unter die Bewohner eines Armen- Viertels. Die Nachricht verbreitet sich, immer mehr Pöbel strömt zusammen, ein Aufruhr entsteht, der zuletzt in dem Schrei: »Nieder die Juden!« gipfelt. Militär muß eingreifen, die Menge flüchtet sich in die Lorenzerkirche. Die Soldaten wollen nachdringen. Da taucht vor ihren Augen Agathon auf. Die Soldaten bleiben erstaunt stehen. Auf einmal 14*

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