Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 29)
- Language
- German
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206 Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten. zugelassen, damit es, wenn diese nicht brauchbar gefunden werden, keine Verabschiedung nachzusuchen hat.« Das Gehalt war nicht gerade verführerisch1). Um die Lehrer etwas besser zu stellen, verband man das Amt mit dem des Rabbinatsadjunkten und honorierte letzteres Amt besonders. Ferner war man bestrebt, den Casseler Lehrern freie Dienstwohnung zu gewähren, da die Hausmieten in dieser damals teuersten Stadt Europas beinahe das ganze Gehalt verschlangen. Am 2. April 1812 erklärt das Kon- *) Lehrer Gerber in Hildesheim bezog 1811 55 Taler. Lehrer Warenheim daselbst erhielt an Gehalt und Pension 66 Taler. (Staatsarchiv Hannover Des. 51, Nr. 36). Kimpei freilich »Geschichte des hessischen Volksschulwesens im 19. Jahrhundert«, Bd. I, S. 32ff., findet die Gehälter im Vergleich mit denen der christlichen Lehrer nicht allzu niedrig und berechnet aus dem für achtzig jüdische Volksschullehrer veranschlagten Etatstitel von 20000 Frcs. ein Durchschnittsgehalt von 250 Frcs, 200 M. jährlich. Im Hannoverschen bezogen von 300 christlichen Elementarlehrern 150 mehr als 300 Frcs., 56 mehr als 500 Frcs., einer in einer Ortschaft bei Dransfeld 27 Frcs. (!) Siehe Th im me »Geschichte des Kurfürstentums Hannover«, Bd. II, S. 261. Im Hessischen scheint es viel schlimmer gewesen zu sein. »Wie läßt sich erwarten, daß sich dem ehrwürdigen Geschäft der Jugendbildung viele tüchtige Männer widmen sollten, wenn das Schulamt keine anderen Aussichten als die des Elendes und Kummers darbietet.« »Zu Stellen, welche 20 bis 50 Thaler jährlich eintragen, ־— und solcher Schulstellen gibt es in unserem Vaterland genug ־— Subjekte erwarten, welche Talente und Kenntnisse besitzen?« (Münschers Magazin für Kirchen- und Schulwesen« 1803, II. Heft S. 100. Kimpei a. a. O. citiert die Stelle sehr ungenau.) Vergleiche auch Münschers Magazin a. a. O. Seite 91 im IV. Heft. Daß 80 israelitische Schullehrer im Königreich wirklich angestellt worden wären, (Kimpei a. a. O. S. 32) ist höchst unwahrscheinlich. Bei dem doppelten Mangel an Lehrern (siehe oben S. 205) und Geldmitteln konnte mit Schulreformen, wie überhaupt im Westphälischen, so ganz besonders bei den Israeliten nur äußerst langsam und vorsichtig vorgegangen werden. In dem Leben des ersten Generaldirektors für den Unterricht, Johannes von Müller, macht sich diese ewige Geldnot im Königreich in einer geradezu tragischen Weise immer und immer wieder geltend. Auch sein Nachfolger Leist hat ewig mit der gleichen Kalamität zu kämpfen.