Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 207 (sequence 30)
- Language
- German
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Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten. 207 sistorium dem Minister, wirklich brauchbare Lehrer, die es anstellen wolle, fänden das Oehalt so niedrig, daß sie die Schulstellen entweder nicht annähmen oder bald wieder verließen. Die eifrigen und energischen Bemühungen des Konsistoriums begegneten aber auf keinem Gebiete einem so lebhaften, so hartnäckigen und so andauernden Widerstande seitens der einzelnen Gemeinden wie auf dem finanziellen. Man scheint garnicht bedacht zu haben, von welcher ungeheuren Abgabenlast die Gleichberechtigung der Konfessionen die Juden erlöst hatte, und wie federleicht demgegenüber die neu zu tragende Steuerlast wog. So sollte in Osterode a. Harz ein zugleich als Lehrer fungierender Kantor mit dem auch für die damalige Zeit keineswegs fürstlichen Gehalt von 100 Talern angestellt werden. Mehrere Gemeindemitglieder hielten ein Gehalt von 40 Talern für völlig ausreichend und den Kantor für überhaupt überflüssig. Die Gemeinde wendete sich natürlich an die höheren Instanzen, am 26. August 1813 an den Minister. Der Streit endete mit der Einsetzung eines besonderen Lehrers1). Im gesamten Bezirk Einbeck war kein einziger Jude, der sich über seine Steuerveranlagung nicht beschwert hätte. Es regnete Beschwerden über die jüdische Oberbehörde. In Cassel wurden trotz der auch hier herrschenden schwierigen Verhältnisse die im September 1810 dem Minister vorgeschlagenen und am 1J Über Osterode und die höchst unerquicklichen Streitigkeiten daselbst, in die auch der Rabbiner verwickelt war, siehe Staatsarchiv Hannover a. a. O. Nr. 35. Vgl. Thimme a. a. O. S. 235. Es war jedenfalls ein Fehler, dem Rabbiner bei der westphälischen Steuergesetzgebung eine einflußreiche Stellung in der Einschätzungskommission einzuräumen. (Siehe weiter.) Er wurde dadurch in den Streit und Hader der Parteien, über denen er hätte stehen sollen, mit hineingezogen, und viele äußerst peinliche Vorgänge waren die notwendige Folge davon. Die Autorität des Geistlichen mußte in bedenklicher Weise dadurch leiden. Über Einbeck siehe auch Thimme a. a. O. Cf. im Anhang bezügl. Paderborns.