Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 13)
- Language
- German
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190 Das Königlich Weslphälische Konsistorium der Israeliten. An seine Stelle im Konsistorium trat 1813 Nathanael Wittersheim, geboren 1766, der sein Amt nur etwa ein Jahr lang verwaltete und nach elfjähriger dortiger Tätigkeit 1831 als Konsistorialrabbiner zu Metz starb* 1). In dieser einflußreichen Stellung hat Wittersheim, der mit reichem jüdischen Wissen auch umfassende profane Kenntnisse verband und die französische Sprache meisterhaft beherrschte, als Begründer der französischen Zentralrabbinerschule zu Metz, als Neubegründer des dortigen israelitischen Krankenhauses wie als Schriftsteller eine erfolgreiche Tätigkeit entfaltet. Seiner Verdienste um das Hospiz gedenkt auch seine Grabschrift. Ein Werk über den Kalender unter dem Titel אמרי בינה, gedruckt in Metz 1821, entstammt seiner Feder. Einen von Kalkars Söhnen, Nathan S. Kalkar, finden wir später in Kopenhagen, wo er 1834 ein Drama über den Stoff der Josephsgeschichte*) und eine Sammlung hebräischer Gesänge unter dem Titel נטעי שעשועים erscheinen ließ. Eines dieser Gedichte ist dem früh verstorbenen J. M. Rubino, der spätere berühmte Professor der Philologie an der Universität Marburg, und C. Silberschmidt, weil sie den Lehrerstand gewählt hatten und jedenfalls in das 1810 begründete Lehrerseminar eintraten. Der 4. Konfirmand war J. M. Lindenfeld aus Cassel. (Siehe »Rede des Präsidenten Jacobsohn bei der von ihm Sabbats den 8. Nissan 5572 in der hiesigen Synagoge verrichteten Konfirmation*. Cassel 1812). S. auch S. 186, Anm. 3. 1) Sulamith Jahrgang VII, Band II S. 432. Rev. des Et. juives XII, 295, Der sonst ziemlich seltene Name kommt auch in der Casseler Schulgeldliste von 1811 vor. In seinem Bewerbungsgesuch um Kalkars Stelle wünscht W. seinen Buchhalterposten auch als Konsistorialrat beizubehalten. Das Konsistorium hält das unter Berufung auf Mendelssohns gleiche Tätigkeit für unbedenklich und empfiehlt die Anstellung des seit 1788 auch als Generalsyndikus für die Israeliten des Elsaß tätigen Wittersheim l’aine mit einem Gehalte von 2000 Frcs. Er wurde durch Jacobsohn in sein Amt eingefiihrt und vereidigt. <St. A. Berlin IV, B. Rep. VI, Nr. 6.) *) Der Titel ist גחלת יוסף. Über N. S. K. oben Seite 188, Anm, 4.