Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 184 (sequence 7)
- Language
- German
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184 Das Königlich Westphälische Konsistorium der Israeliten. sein Adjunkt Rosenbach von Büdinger in der Leichenrede als einer der ersten Prediger gerühmt wird, findet sich von Berlin keine einzige derartige Nachricht. Als Talmudist galt er für hervorragend. Seine Werke werden in Jew. Enc. s. v. zusammengesteüt. Über seine Familienverhältnisse ist wenig bekannt. Seine Frau Rechel war eine Tochter des Vor- Stehers Bermann Hamburger in Fürth1). Verschiedene Schicksalsschläge, die ihn getroffen haben, von denen uns aber sonst nichts Näheres bekannt ist, erwähnt die eine der beiden in Casseler Zeitungen erschienenen Todesanzeigen2). Vier Söhne hat er hinterlassen3). Er starb, von seiner Familie und zahlreichen Verehrern2) tief betrauert, am 21. Mai 1814.4) Cassel, nicht etwa in der mit der Schule verbundenen Synagoge. Nicht dem, Jacobsohn als Prediger allerdings weit überlegenen Joseph Wolf (Wolfs Reden rühmt auch Sulamith, IV. Jahrgang, II. Band, S. 251), sondern Jacobsohn kommt demnach das Verdienst zu, »die erste deutsche, von ihm selbst verfaßte Predigt« in einer Synagoge Deutschlands gehalten zu haben. Die Abfassung der ersten deutschen Predigten überhaupt ist freilich eine Ehre, die beiden nicht zukommt, und eine Ehre, auf die sich der Verfasser herzlich wenig einbildete. Kein Geringerer als Moses Mendelssohn selbst steht am Eingänge der modernen Predigthalle durch seine zur Feier derSchlach» ten von Roßbach und Leuthen, sowie des Hubertsburger Friedens verfaßten, aber nicht von ihm selbst, sondern von Berliner Rabbinern gehaltenen Predigten. Mendelssohn selbst meint in einem Briefe an Lessing, über seine Predigt hätte »Doktor Slop wohl einschlafen mögen«. Noch viel früher als in Dessau und Cassel, nämlich bereits 1797, wurde übrigens in hochdeutscher Sprache in Breslau in der Synagoge gepredigt, vgl.Brann, Geschichte des Landrabbinats Schlesien S. 264 und dessen Jahrb. zur Belehrung und Unterhaltung, Jahrg. 45. (1897) S. 95 ff. 2) Eckstein a. a. O. S. 6. Seine Wohnung befand sich Fischgasse Ecke. Siehe weiter. s) Casselsche Allgemeine Zeitung vom 27. Mai 1814, Nr. 147. *) Casselsche Polizei- und Commerzienzeituag S. 578. 4) Sein noch vorhandenes Bild trägt die Unterschrift: L. M. BERLIN. Landrabbiner in Kur-Hessen, gest. d. 21 ten May 1814. Es ist von Sal. Pinhas gemalt.