Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 31)
- Language
- German
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- Rashi 1× ep/1002670
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 173 zur Bezeichnung ihrer Tätigkeit als »Lehrer der religiösen Praxis« beigelegt wurde, und es hat sich dieser Gebrauch bis auf den heutigen Tag erhalten1). Auch im Talmud, und zwar schon im Sprachgebrauch der älteren Tannaim bezeichnet מורה — gewöhnlich 2מורה הלכות) — nicht den Gelehrten סופר ,חכם, oder den Lehrer רבן ,רבי, sondern denjenigen, der praktische Rechtsfragen entscheidet3), und es entspricht dem streng gesetzlichen Charakter unserer Schrift, daß sie beinahe ausschließlich4) diesen Titel gebraucht, und zwar in genau derselben Weise wie die rabbinische Literatur. Wir wollen jetzt nach dieser zwar langen, aber für das Verständnis unserer Schrift notwendigen Abschweifung zu unserem Gegenstände zurückkehren. Wir haben gesehen5), daß in 1, 11 מורה צדק v/eder für den Messias, noch für den מורי צדק Raschi zu verstehen ist, der auch sonst ,המורד kurzweg genanni wird. *) In Wilna, einer der größten jüdischen Gemeinden der Neu- .zeit, gibt es seit mehr als einem Jahrhundert keine Gemeinderabbiner mehr, die religiöse Leitung liegt in den Händen der מורי צדק — im Volksmunde »Maz« מ״צ genannt —, die hauptsächlich mit der Ent- Scheidung religiöser Fragen sich befassen. Vgl. Maggid, עיר ווילנא, S. 102 ff. In einem Klageliede über das Judengemetzel zu Schneidemühl — 1654 — werden besonders erwähnt die מורי צדק הרבנים; vgl. Brann in Festschrift Lewy S. 579. 2) R. Gamliel II. in Tos. Nid. V, 15 und sein Kollege R. Joschua, Gitt. 58 a — nicht in der Parallelstelle Tos. Hör. II, 6 — sind die ältesten Tannaim, bei denen sich dieser Gebrauch nachweisen läßt; מורה allein kann ich nur einmal belegen, Ned. 49b, wo R. Juda b. Ilai als מורה bezeichnet wird, ganz gewiß mit Rücksicht auf sein Amt als מוריינא דבי נשיאה; vgl. Men. 104a. Graetz, Geschichte III5, 759 vermutet, daß Matt 23, 8 Übersetzung von מורה sei. 3) Vgl. Jer. Sanh. IV, 22a, wo von einem sehr scharfsinnigen Gelehrten gesagt wird: לא הוד. ידע מורייה »er konnte nicht richtig entscheiden«. 4) Der Begründer der Sekte wird 6, 7 דורש התורה sl;7r(Y|T7te töv vojjuav, Josephus Ant. XVII, 6, 2, in den rabbinischen Quellen דרשן genannt; so werden Schema ja und Abtalion, Peß. 70b, R. Akiba El. Z. I, 168, ed. Friedmann, und Ben Soma Sotah IX, 15 genannt. 5) S. oben S.!55 ff.