Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 166 (sequence 24)
- Language
- German
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166 Eine unbekannte jüdische Sekte. sprachen, die Gott durch den Messias offenbaren wird; die alten Quellen dagegen kennen weder eine neue Thorah noch die Lehrtätigkeit des Messias. Ob christlicher Einfluß hier anzunehmen sei, ist mehr als fraglich; die Abrogation des Gesetzes in der Zeit nach der Auferstehung, עתיד לבוא, wird schon im Talmud1) als eine allgemein anerkannte Ansicht vorausgesetzt, und die jüngeren Schriften scheinen in diesem Falle wie in so vielen anderen, »die messianische Zeit« ימות המשיח mit »der zukünftigen Zeit« עתיד לבוא ve!׳- wechselt zu haben. Für die Lehrtätigkeit des Messias finden sich, wie wir gesehen haben2), Ansätze schon in den altern Quellen, so daß die Lehre von »der neuen durch den Messias offenbarten Thorah« sich auch ohne die Annahme christlichen Einflusses erklären ließe. Während im Talmud die erwähnte Verwendung der biblischen Worte עד יבוא ויורה צדק sich nur einmal findet, wohl nicht die messianische Zeit zu verstehen, sondern die nach der Auferstehung. x) Nidda 61, wo, wie schon Weiß, Dor I, 229 bemerkte, sicher nur von der Zeit nach der Auferstehung die Rede ist und nicht von ימות המשיח, »der messianischen Zeit«. Was Klausner, Messianische Vorstellung 53 mit Bezug auf Sanh. 97 b und Schir ha-Schir. r. ii, 13 sagt, ist richtig, aber nicht neu, da schon Weiß a. a. O. das Richtige bietet. Falsch dagegen ist es, wenn Klausner auf Sifre Deut. 160 sich beruft und den Tannaim die teilweise Veränderung des Gesetzes zuschreibt; an dieser Stelle ist die Rede von der Veränderung der »Schriftcharaktere« und nicht des Gesetzes; vgl. Tosefta Sanh. I, 7 und Paralielstellen. Vgl. auch Jer. Meg. I, 7d und dagegen Midr. Mischle IX, 61. 2) Vgl. die bereits zitierte Stelle aus Gen. r. und außerdem Midr. Hag. 738. Midr. Tanchuma, Buber I, 139 behauptet, daß der Messias כ hervorragender als Moses sein wird«, womit aber nur seine prophetischen Gaben hervorgehoben werden sollten, wie schon Maimönides, Teschuba IX, 2, richtig bemerkte. Auf Grund späterer Midraschim schreibt der Verfasser des ס׳ חסידים, ed. Wistenetzki, S. 268 dem Messias die Rolle des Lehrers zu, doch ist vielleicht christlicher Einfluß bei diesem Mystiker anzunehmen; vgl. Joh. IV, 25; in Pes. r. 7, 6 wird der Messias mit רבינו angesprochen.