Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 166

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1914-01-01
Page
Seite 166 (sequence 24)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2829132-2829859-2829862-2892800--41115-2892850
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

166 Eine unbekannte jüdische Sekte. sprachen, die Gott durch den Messias offenbaren wird; die alten Quellen dagegen kennen weder eine neue Thorah noch die Lehrtätigkeit des Messias. Ob christlicher Einfluß hier anzunehmen sei, ist mehr als fraglich; die Abrogation des Gesetzes in der Zeit nach der Auferstehung, עתיד לבוא, wird schon im Talmud1) als eine allgemein anerkannte Ansicht vorausgesetzt, und die jüngeren Schriften scheinen in diesem Falle wie in so vielen anderen, »die messianische Zeit« ימות המשיח mit »der zukünftigen Zeit« עתיד לבוא ve!׳- wechselt zu haben. Für die Lehrtätigkeit des Messias finden sich, wie wir gesehen haben2), Ansätze schon in den altern Quellen, so daß die Lehre von »der neuen durch den Messias offenbarten Thorah« sich auch ohne die Annahme christlichen Einflusses erklären ließe. Während im Talmud die erwähnte Verwendung der biblischen Worte עד יבוא ויורה צדק sich nur einmal findet, wohl nicht die messianische Zeit zu verstehen, sondern die nach der Auferstehung. x) Nidda 61, wo, wie schon Weiß, Dor I, 229 bemerkte, sicher nur von der Zeit nach der Auferstehung die Rede ist und nicht von ימות המשיח, »der messianischen Zeit«. Was Klausner, Messianische Vorstellung 53 mit Bezug auf Sanh. 97 b und Schir ha-Schir. r. ii, 13 sagt, ist richtig, aber nicht neu, da schon Weiß a. a. O. das Richtige bietet. Falsch dagegen ist es, wenn Klausner auf Sifre Deut. 160 sich beruft und den Tannaim die teilweise Veränderung des Gesetzes zuschreibt; an dieser Stelle ist die Rede von der Veränderung der »Schriftcharaktere« und nicht des Gesetzes; vgl. Tosefta Sanh. I, 7 und Paralielstellen. Vgl. auch Jer. Meg. I, 7d und dagegen Midr. Mischle IX, 61. 2) Vgl. die bereits zitierte Stelle aus Gen. r. und außerdem Midr. Hag. 738. Midr. Tanchuma, Buber I, 139 behauptet, daß der Messias כ hervorragender als Moses sein wird«, womit aber nur seine prophetischen Gaben hervorgehoben werden sollten, wie schon Maimönides, Teschuba IX, 2, richtig bemerkte. Auf Grund späterer Midraschim schreibt der Verfasser des ס׳ חסידים, ed. Wistenetzki, S. 268 dem Messias die Rolle des Lehrers zu, doch ist vielleicht christlicher Einfluß bei diesem Mystiker anzunehmen; vgl. Joh. IV, 25; in Pes. r. 7, 6 wird der Messias mit רבינו angesprochen.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.