Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 23)
- Language
- German
- Belongs to
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 165 Segen Judas, Gen. XLIX, 11 in folgender Weise gedeutet wird. »Er wäscht im Weine sein Kleid, d. h. der Messias wird die Worte der Thorah klar legen; und im Blute der Trauben seine Decke, d. h. der Messias wird ihnen — Israel — ihre Irrtümer in der Lehre aufdecken«. Ein Vergleich mit der Parallelstelle in Tanchuma1) zu Gen. a. a. O. zeigt aber ganz deutlich, daß wir in Gen. r. die Umdeutung einer alten Haggada vor uns haben; diese hatte nicht die Lehrtätigkeit des Messias zu ihrem Gegenstand, sondern, in Übereinstimmung mit Joma 26a, das erfolgreiche Studium der judäisehen Gelehrten. Mit Recht widersetzt sich daher der Amora R. Chanin2 3) dieser Umdeutung, indem er bemerkt: Israel wird in der Zukunft der Lehrtätigkeit des Messias nicht bedürfen; es wird von Gott selbst unterrichtet,! werden; die Mission des Messias besteht nur darin, Israels Zerstreute einzusammeln und den Heiden die dreißig8) Gebote zu geben«. Erst in einem sehr jungen Midrasch, dem sogenannten Alphabet des R. Akiba4), wird von der neuen Thorah5 * *) ge- 1) Der Satz אין יין אלא תודה, . . . בית היין ist an falscher Stelle und gehört zu dem Schriftworte כבס ביין. 2) Gen. r.a. a. O.; Midr. Tehilh XXI, 177, ed. Buber, hat תנחומא für חסין. Möglich und sogar wahrscheinlich ist, daß dieser Amora noch gar nicht die im Texte erwähnte Umdeutung der alten Haggada kannte, und daß die Gegenüberstellung seiner Ansicht der über die Lehrtätigkeit des Messias von dem Redactor dieses Midrasch herrührt. Bekanntlich sind die letzten Abschnitte des Bereschit r. stark um gearbeitet worden, so daß die anonyme Ansicht über die Lehrtätigkeit des Messias aus ganz später Zeit stammen dürfte. 3) »Das Minimum der Thorah«, das sogar die Nichtjaden zu beachten verpflichtet sind; vgl. Joel, Graetz-Jubelschrift, 174—175. 4) Buchstabe t; JelHnek Bet ha-Midr. Ilf, 27; VI, 93. Dieser Midrasch ist die Quelle des Jalkut zu Jesaia 26, 2, N. 429 ed, princ. und 296 in den späteren Ausgaben, was sowohl Weiß, Dor I, 229, wie Klausner, Messian. Vorstellungen, S. 83 entgangen ist. 5) Vgl. auch Midr. Tehill. CXLVI, 535, ed. Buber, ולעתיד לבוא הוא מתייר את כל מה שאסר »in der zukünftigen Welt wird er — Gott — all das, was er verboten hatte, wieder gestatten«. Aber unter *לעתיד לב ist