Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 155 (sequence 13)
- Language
- German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 155 dienste deiner Väter«, während der aus der Schule R. Ismaels stammende Midrasch1) ausdrücklich lehrt: בשכר מצוה אתם חיים אין אתם חיים בזכות איות »ihr werdet durch den Lohn eurer frommen Taten leben, aber nicht durch die Verdienste der Väter«. Nach unserer Schrift ist das Bündnis mit den Vätern unbedingt notwendig für die Erhaltung Israels; aber es nützt nur den Auserwählten, d. h. den Anhängern dieser Sekte; die Liebe Gottes zu den Vätern hat zur Folge die Liebe zu deren Nachkommen, jedoch nicht zu »Ganz- Israel«, sondern nur zu einem kleinen Bruchteil davon. Es ist demnach nicht die universalistische Tendenz, wie wir sie in der Schule R. Ismaels kennen lernten, die unsere Schrift veranlaßt, einem großen Teile des Volkes Israel zuzurufen, daß sie nichts vom »Bündnisse mit den Vätern« zu erwarten haben, es ist vielmehr die Engherzigkeit des Sektierers, dem dieses Dictum sein Dasein verdankt Die Liebe Gottes kommt nur den Nachkommen der Väter zu, aber niemand anders als die Mitglieder der Sekte haben ein Recht, sich als Nachkommen der Väter zu bezeichnen. Der Zusammenhang, in dem von den Vätern, אבות, und den Verfahren, ראשונים, in 8,17—18 gesprochen wird, zeigt ganz deutlich, daß auch unter den letztem die drei Patriarchen zu verstehen sind2;. Die im Buche der Jubiläen 1) Midr. Tann. 62. 2) Berach. 16b heißt es: man lege den Beinamen »Väter« nur den drei Patriarchen bei; der Ausspruch ist nicht etwa so zu verstehen, als wenn sonstige große Männer der Geschichte Israels nicht als »Väter« bezeichnet werden dürfen, sondern daß einer einzelnen Per״ son die Ehrenbezeichnung »unser Vater« beigelegt werden dürfe. Die Quelle des Babli ist Semach. I, 13, wo die richtige Lesart אבינו sich findet. Ursprünglich haben wir es wohl mit einer Vorschrift für das Gebet zu tun, man darf Gott nur anrufen als Gott der drei Stamm- Väter, denn nur mit diesen hat er seinen Namen verbunden; vgl, Gen. r. LXXXII, 3; Jelamdenu bei Jellinek Bet Ham. VI, 81; Peßach. 117 b. An der letztgenannten Stelle wird freilich zugegeben, daß David diese Ehre mit den drei Vätern teilt, jedoch ist zu bemerken, daß im babylonischen Ritus nur der Ausdruck »Gott, der Schild Davids« ge