Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 154

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Eine unbekannte jüdische Sekte
Date
1914-01-01
Page
Seite 154 (sequence 12)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829859-2829862-2892800--41103-2892838
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

154 Eine unbekannte jüdische Sekte. um die Bedeutung der Väter recht stark hervorzuheben, und Deut. IX, 5; VII, 8 lautet 8, 14: »Nicht um deiner Beschaffenheit und deines lauteren Herzens willen gelangst du in den Besitz dieser Völker, sondern weil er Liebe hatte zu deinen Vätern und seinen Eid halten wollte«. »Aber, wird dann fortgefahren, dies1) — das Bündnis der Väter — gilt nur den bekehrten Israeliten, die vom Wege des Volkes sich abgekehrt haben; infolge der Liebe, die Gott den Vorfahren gezeigt hatte, welche ihm ergeben waren, liebte er auch ihre Nachkommen; diesen gilt das Bündnis der Väter«. Die tannaitischen Quellen enthalten zwei verschiedene Ansichten über die Bedeutung der Väter für die Geschichte Israels. Die aus der Schule R. Akibas stammenden Midraschim2) lehren : היל מנות אבותיך »alles [Gute, das Gott Israel gewährt] geschieht infolge der Ver- *) Vgl. oben die nähere Erklärung dieser Stelle; zu dem dort besprochenen העיר bezw. העיד wäre auf Jubil. I, 12 zu ver• weisen, wo es gleichfalls heißt: »und ich werde Zeugen zu ihnen senden, daß sie gegen sie zeugen«. Singer, Buch d. Jub., S. 204, folgert daraus den christlichen Charakter der Schrift, da nur ein Christ Zeugen [xapTups? für Propheten brauchen würde, er und ebenso Charles z. St. übersahen, daß das Buch d. Jub. hier Nehem. IX, 30 ותעד בם zitiert. 2) Mech. R. Simon 32; Sifre Deut. 96 und 1S4. Höchst wahrscheinlich ist diese starke Betonung der Verdienste der Väter einer antichristlichen Tendenz zuzuschreiben; gegenüber denen sie sich als die Kinder der Väter dem Geiste nach bezeichnen, wird der Anspruch der wirklichen Nachkommen Abrahams geltend gemacht. Unter den Amoräern war die Ansicht vorherrschend, daß die Verdienste der Väter für die Geschichte Israels in nachexilischer Zeit überhaupt von keiner Bedeutung mehr sind; vgl. Schabb. 55a; Lev. r. XXXVI, gegen Ende, Bousset, dem dies alles unbekannt ist, mußte zu einem ganz schiefen Urteil gelangen über »die Verdienste der Väter«; vgl. seine Ausführung S. 415, und dabei geschah ihm das Malheur, die von ihm benutzten Quellen mißzuversiehen. Im Achtzehngebet heißt es nicht: und er bringteinen Erlöser, um deren — der Väter — Namen, sondern um seines — Gottes — Namen willen! Ein wenig Belesenheit in der Bibel hätte ihn von diesem Mißverständnis bewahrt, da למען שסו häufig dort vorkommt. Vgl. Schechter, Aspects 170 f.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.