Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 151 (sequence 9)
- Language
- German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 51<־ Beispiele der Rabbinen; nur ist ihr Gesichtskreis ein sehr beschränkter; es ist nicht mehr die Geschichte Israels, sondem nur die Geschichte der Sekte, die sie in der Bibel sucht. * Die Engherzigkeit des Sektierers zeigt sich aber nicht allein darin, daß die Prophezeiungen in der Bibel von der Zukunft Israels in unserer Schrift auf die Geschichte der Sekte gedeutet werden, sondern auch in deren Ethik und Theologie. Das pentateuchische Gebot der Nächstenliebe — Lev. XiX, 18 — findet sich auch in unserer Schrift 6, 20, jedoch mit der bedeutenden Variante אחיהו für das רעהו der Bibel. Nicht die Liebe zum Nebenmenschen, ja nicht einmal zum Volksgenossen wird geboten, sondern nur zum Bundesbruder, dem Mitgliede der Sekte. Aber auch dieser verwirkt seinen Anspruch auf die Liebe seiner Parteiangehörigen, falls er das Gesetz nicht beobachtet — 9, 5 —, denn auch Gott haßt seine Feinde, die Sünder, und daher gibt es einem solchen gegenüber keine liebevolle Rücksicht. Wie verschieden fassen die Vertreter des gesetzlichen Pharisäismus das Gebot der Nächstenliebe auf! Die Enthauptung eines Verbrechers, behauptet der Talmud1), findet durch ein scharfes Schwert, das den Hals rasch durchschneidet, statt, aber nicht durch ein Beil, das das Genick bricht, denn die Bibel sagt: »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst«, daher muß man die leichteste Todesart wählen. Also sogar derjenige, welcher durch seine Missetaten sein Leben verwirkte, hat noch Anspruch auf unsere Liebe! Auch das Buch der Jubiläen2) ף Ketubbot 37 b. s) VII, 20, wo die sogenannten noachidischen Gesetze aufgezähl sind; »und zu loben ihren Schöpfer«, ist dort wohl ein Mißverständnis des Übersetzers aus dem Hebräischen, wo zu lesen war: והזהירם על ברכת השם, was aber bedeutet: keine Blasphemie zu begehen. Dieses Verbot — ברכת ais Euphemismus für קללת auch in der rabbinischen