Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 150 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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150 Eine unbekannte jüdische Sekte. Umdeutung des Gesanges über die Quelle; sie lautet: »Der Brunnen, den die Fürsten gruben, das ist die Thorah, die schon Abraham und Jakob beobachteten; es gruben ihn die Edlen des Volkes, das ist Israel, welche am Sinai die Thorah empfingen, mit dem Gesetzgeber, das ist Moses; mit ihren Stäben, משענותם, das will sagen, daß sie sich an Moses anlehnten und alles, was er ihnen im Aufträge Gottes zum Beobachten auferlegte, auf sich nahmen«. »Der Stern, der von Jakob heraustritt« ist ein in Num. XXIV, 17 gebrauchtes Bild für den Führer Israels, und unsere Schrift 7,18 glaubt sich daher berechtigt, auch in Arnos V, 26 »den Stern eures Gottes«1), כוכב אלהיכם, auf den Gründer der Sekte zu deuten. Die obige Ausführung zeigt ganz deutlich, daß sowohl der halachische wie der haggadische Midrasch unserer Schrift genau in den Rahmen sich bewegt, die in der rabbinischen Literatur ihnen vorgezeichnet sind. Höchst lehrreich für das Verhältnis unserer Schrift zur rabbinischen Literatur ist, daß beide im Gegensatz zu den alexandrinischen Allegoristen und ihren Schülern, den Kirchenvätern, keine esoterische Allegorie kennen. Der wesentliche Unterschied zwischen der alexandrinischen Allegoristik und der der rabbinischen Haggadah ist2), daß diese immer bei der Welt des Realen stehen bleibt, während jene hauptsächlich auf die Umdeutung des Realen ausging. Das Fühlen und Denken der Menschen, Ethik und Philosophie suchten die Alexandriner in der Bibel, die Rabbinen das Geschick Israels. Die vier Flüsse, die aus Eden hervorquollen — Gen, II, 10 — erklärt der Midrasch (Gen. r. XV, 4) schon als die vier Weltreiche Babel, Medien, Persien, Griechenland und Rom, für Philo — Alleg. Leg. I, 19; I, 56 ed. Mang. — sind sie die vier Haupttugenden. Unsere Schrift folgt dem 0 Eigentlich »der Stern, euer Gott!« s) Vgl. meine Bemerkung in der Jewish Enc. I, 405 und Treitel, Monatsschrift LV, 551.