Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 7)
- Language
- German
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Eine unbekannte jüdische Sekte. 149 תנינים יינם וראש פתנים אכזר, indem diese Worte dahin gedeutet werden, »daß die Drachen auf die Könige und das Haupt, ראש, der Schlangen auf das Haupt der griechischen Könige sich beziehe«. Wie bei Philo und in der rabbinischen Literatur1) besonders die ,Wiederholungen und überflüssigen Wötter und Sätze der Bibel zu allegorischen bezw, typologischen Deutungen verwendet werden, so ist dies auch in unserer Schrift der Fall. *Grauen und Grube und Garn über dich, Bewohner der Erde«, ruft der Prophet aus — Jesaia XXIV,!ן — und unsere Schrift 4, 15 findet hierin die drei Netze, welche Beliaal über Israel ausbreitet. Die Söhne Zadoks werden von Ezechiel XL1V, 15 als die »Priester und Leviten, die Söhne Zadoks« näher bezeichnet, und dieser ungewöhnliehe Ausdruck gab Material für die Deutung 4, 2, daß der Prophet ein Zukunftsbild von den Führern der Sekte gebe, die gemäß ihren verschiedenen Tätigkeiten als Priester, Leviten und Söhne Zadoks hier erscheinen2). Auf Grund mancher biblischen Metapher werden biblische Angaben in uneigentlichem Sinne genommen. Gott ist die Quelle lebendigen Wassers — Jerem. II, 13 —, seine Lehren Wasser für die Durstenden — Jes. LV, 1 — und es wird in unserer Schrift 6, 4 »der Gesang über die Quelle« Num XXI, 13 zu einem Lobliede der Thorah, wie sie von dem Stifter der Sekte gelehrt wird. Setzt man für den Stifter der Sekte Moses und die Empfänger der Thorah für die Sekte, so erhält man die von der rabbinischen Haggadah3) gegebene 1) R, Ismael behauptet zwar bezüglich dieser Fälle ,דברה תורד כלשון בד «דם! jedoch richtet sich seine Opposition hauptsächlich gegen die Ausdehnung solcher Deutungen auf die Halacha. 2) Vgl. auch weiter unten Abschnitt VII. s) Midrasch Agada, ed. Buber, S. 131; vgl. auch Erub. 54 a und Tanch. IV, 128, wo wohl schon die haggadische Deutung von תורד, באף vorausgesetzt wird. Alphabet R. Akiba, Buchstabe ם, hat eine Deutung des Brunnenliedes, die mit der in unserer Schrift gegebenen beinahe wörtlich übereinstimmt.