Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 13)
- Language
- German
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Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. 141 durch den und auf den das Wesen Gottes eingeschränkt wird. Das ist das Erbteil des Mythos, welches im Christentum lebt. Nicht, daß darum schon dieser Gottesbegriff unsittlich oder widersittlich würde; auch der Mythos hat die Tendenz zur Sittlichkeit. Aber eine außersittliche Sphäre wird dadurch genötigt, das Dogma zu beschreiben. Der Mythos sucht ein unmittelbares Verhältnis zwisehen Mensch und Gott, die Propheten haben dieses direkte Verhältnis bekämpft und den Blick des Menschen auf den Nebenmenschen gelenkt. »Dieses spezifische Merkmal, welches die Religion vom Mythos unterscheidet, hat sich im Judentum erhalten; denn es war der Grundbegriff der Einheit Gottes, welcher dieses Fundament in Kraft erhielt. Der jüdische Monotheismus wäre zugrunde gegangen, wenn dieses Motiv, dem er seinen Ursprung verdankt, hätte erschüttert werden können.« Der Logos des Philo bildet daher die größte Ablenkung von der Denkart der Propheten, eine Profanierung des Monotheismus, der Transzedenz Gottes. Es ist die Vorstufe des Christentums. Es genügt auf die Trinität und auf den Opfertod Jesu hinzuweisen, um die mythologischen Motive in der Bestimmung des christlichen Gottesbegriffes einzusehen. Jedoch deutlicher entblößt sich der Mythos in der Erlösungslehre, die das spezifische der christlichen Gotteslehre bildet. Christus ist Erlöser. Nicht in der eigenen Kraft seines Willens wird die Erlösung des Menschen gesucht, sondern in einer auswärtigen Quelle. Die Selbständigkeit des Mensehen als einer sittlichen Person, seine Willensfreiheit wird damit verdächtigt. In der christlichen Erlösungslehre können wir die meisten Differenzpunkte zwischen Judentum und Christentum erkennen. Christus ist Erlöser des Individuums, der Messias ist der Erlöser der Menschheit. Das Individuum aber besitzt in seiner sittlichen Quelle die Kraft der Selbst- «rlösung.