Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 140 (sequence 12)
- Language
- German
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140 Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums, durch behauptet wird, ist eine folgerichtige Fortführung der ursprünglichen Bedeutung des prophetischen Monotheismus. Gott hat sein Wesen ausschließlich in der Sittlichkeit. Er ist das Vorbild und Urbild der Sittlichkeit, welche die Menschen in ihren Handlungen kraft ihrer Freiheit zu betätigen haben, der Mensch selbst ist Herr seiner Sitt* lichkeit; er hat sie zu vollziehen, und daher auch zu verantworten. Gott kann ihm dabei beistehen. Doch das ist schon ein Ausdruck, der an der Grenze der Popularität liegt. Genauer ist das Wort des Talmud : daß die Gottes* furcht außerhalb der Sphäre der göttlichen Allmacht liegt1). Nur als Ideal der menschlichen Handlung darf das Wesen Gottes gedacht werden. Nur diejenigen Attribute, in denen die Tugenden bezeichnet werden, dürfen als Attribute Gottes den Gegenstand der religiösen Erkenntnis Gottes bilden. Die entscheidende Bedeutung, welche in dieser Grundrichtung des jüdischen Denkens für den Begriff des Juden* tums sich darstellt, ist dahin zu formulieren, daß dadurch der Mythos aus der Religion des Judentums ausgeschieden wurde.« (Religion u. Sittl.) So bildet die jüdische Sittenlehre das Prinzip der jüdischen Religion, das Prinzip, nicht die Konsequenz. Darin ist eine der großen Differenzen zwischen Judentum und Christentum enthalten. Das Christentum wurzelt im Mythos. Das ist seine Stärke und Schwäche zugleich. Während im Judentum nur »Attribute der Handlung« — wie es vornehmlich im klassischem Werke der jüdischen Religions- Philosophie, im »More Nebuchim« zum Ausdruck gelangt — von Gott ausgesagt werden, Gott nur Vorbild der Sittlich* keit ist, bildet im Christentum den eigentlichen Inhalt des Glaubens das Wesen Gottes. Das Interesse bleibt an der Natur Gottes haften. Freilich vollzieht sich dieses Wesen in der ganzen Geschichte seines Daseins nur unter dem Gesichtspunkte der Sittlichkeit; aber es ist nicht der Gesichtspunkt der selbständigen menschlichen Sittlichkeit, ״הבל בידי שטים ח.־ין מיראת שמיש׳ (*