Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 139 (sequence 11)
- Language
- German
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Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. 139 Darf die jüdische Sittenlehre nicht den Titel einer wissenschaftlichen Disziplin, einer wissenschaftlichen Methode beanspruchen; so darf sie andererseits nicht in einen Gegensatz zur jüdischen Glaubenslehre gesetzt werden. Man soll sich nicht durch das Beispiel des besonders in den letzten Jahren hervorgetretenen Problems der jüdischen Sittenlehre verleiten lassen. Dem Christentum ist das Problem der Sittenlehre im Gegensatz zu seiner Glaubenslehre entstanden; weil der christliche Glaube einen Konflikt mit der menschlichen Vernunft enthält. Es ist das Dogma, welches diesen Konflikt bildet.« Ganz anders liegt die Sache im Judentum. Welcher Inhalt der jüdischen Glaubenslehre könnte einen Vorwurf der Skepsis bilden, sodaß die Fixierung der Dogmatik sich darauf hätte versteifen müssen? Und welcher Inhalt der jüdischen Glaubenslehre vertrüge, geschweige forderte die Absonderung von der Sittenlehre und den Gegensatz einer Sittenlehre? Man könnte an die Zeremonialgesetze denken. Indessen konnten diese, nachdem die Opfer geschwunden waren, kein eigentliches Problem mehr bilden, das aus dem Gegensatz einer Sittenlehre hätte herauswachsen können. Hätten doch die Sprüche der Väter bereits dies als Zaun für die Lehre gekennzeichnet. Ein Zaun ist kein Garten.« (Das Problem der jüd. Sittenlehre, Monatsschr. für Gesch. u. Wiss. d. Jud. 1899. S. 388—389). »Und die mittelalterlichen Dogmatiker des Judentums, seine Philosophen haben ihren Gott als Gott der Sittlichkeit zu erkennen und zu verkünden gesucht.« Nur diejenigen Attribute Gottes sollen Gegenstand der religiösen Erkenntnis sein dürfen, welche das Wesen Gottes als des Urbildes der Sittlichkeit bestimmen. Außerhalb dieses Interesses an der Sittlichkeit ist das Wesen Gottes unerforschlich, d. h. nicht Gegenstand des philosophischen Erkennens und ebensowenig des religiösen Glaubens. Diese Position der jüdischen Dogmatik, welche durch die ganze Reihe der Klassiker des Judentums hin-