Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 138 (sequence 10)
- Language
- German
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13S Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums, jüdischen Reiigionslehrern von dem Oottesbegriff der Ethik als dem Begriff der Wahrheit? »Es ist eben jener Unterschied, den wir zwischen Religion und Sittlichkeit allgemein festgestellt, welcher nun im Gottesbegriffe wurzelt. In der Ethik darf kein auswärtiger Grund gelegt werden. Sie ist autonom, die Religion heteronom. Die Wahrheit in der Ethik hat, da sie Erkenntnis ist, die Logik zu ihrer Voraussetzung. Auch bei Platon bildet die Wahrheit zwar eine Steigerung zum Sein; aber das Sein bleibt eben doch die Voraussetzung.« Und wenn eine Parallele zwischen dem prophetischen Gottesgedanken als Gedanken des Guten — »Er hat Dir verkündet, o Mensch, was gut ist« — und dem platonisehen Gottesbegriffe als »Idee des Guten« berechtigt ist, so soll man darüber keineswegs die methodische Distanz zwisehen diesen zwei Formulierungen der Gottesidee vergessen. Bei Platon kommt es auf die Erkenntnis an, auf die logisehe Dignität des Gottesbegriffes, »auf den Zusammenhang der Idee des Guten mit den mathematischen Naturideen, also auf den Erkenntnis wert der Idee auch für das Problem des Guten. Bei den Propheten hingegen schürt nicht der Trieb begrifflicher, wissenschaftlicher Erkenntnis; die wissenschaftliche Forschung liegt jenseits ihres Horizontes; sondern wie Dichter, wie Seher, die aus dem Opferwesen emportauchen, weissagen sie von dem Guten, daß der ein2ige Gott den Menschen kündet. Diese Kunde ist nicht Wissenschaft, nicht Erkenntnis; denn sie wird nicht durch eine wie immer elementare, methodische Forschung gewormen; sie prägt sich daher auch nicht in Begriffen aus«. Wir können also nur von einer jüdischen Religionsphilosophie sprechen, nicht aber von einer Ethik des Judentums. Lazarus verkennt diesen Unterschied, indem er die wissenschaftliche Methode der Ethik nicht streng genug von der jüdischen Sittenlehre unterscheidet, (z. B. änbezug auf den Begriff der Autonomie).