Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
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Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. 135 sich damit nicht, Liebe zu predigen gegen die Armen, gegen die Witwe und Waise; sondern in seinem Horizonte erhebt sich der Fremdling. Und der Fremdling bleibt nicht der Gastfremde, für den auch Zeus ein besonderes Ressort hatte, sondern er wird zum Vertreter des Mensehen unter den Völkern.« Hier ist wohl die Übereinstimmung zu erkennen zwischen der politischen Geschichte des jüdischen Volkes und der inneren Logik des Gedankens, den sein Nationalgeist erzeugte: zwischen der monotheistischen Sittlichkeit der Propheten und den Wandlungen und Leiden, die ihrem Volke beschieden waren. Sie lernten im Exil fremde Völker schätzen, und so wurde der Einzige Gott den Schranken eines Nationalgottes entrissen. Der Partikularismus wurde von den Propheten in einen Universalismus aufgelöst. Der Einzige Gott ist der Einzige Gott der Einen Menschheit. »Die Einheit Gottes bedeutet von Anfang an nichts Anderes als die Einheit der Menschheit«: Gott ist der Vater aller Menschen. Die Propheten entdeckten den Einzigen Gott an ihrer messianischen Idee von der einstigen Einigung der Menschheit. »Ihr Patriotismus war der edelste, der erhabenste; aber die Menschheit ging ihnen über ihr Volk. Und so traten sie auf wider die Könige und die Fürsten, die Priester und die Adeligen; sie gingen in Kerker und Exil; alle tragischen Leiden nahmen sie auf sich, die bitterer sind als der Tod. Sie wurden Märtyrer nicht eigentlich was man so nennt für eine Glaubenslehre; sondern das ist das rein Menschliche an ihnen, daß sie für ihre Politik sich opferten: daß diese Politik nichts anderes ist, als was wir heutzutage Sozialismus nennen.« Ist er nicht eine Utopie? Neinl antwortet uns der Messianismus. Die ethischen Ideen werden sich endlich den Weg zu einer neuen Menschheit bahnen; dies ist der Glaube des Messianismus an die Macht des Guten. Glaube