Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
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134 Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. werden: zu jeder einzelnen Stufe gehört der unendlich ferne Punkt der Vollkommenheit. »Diesen unendlich fernen Punkt bildet die Ewigkeit für jeden endlichen Punkt.« Es wird also hier die Unvollkommenheit des menschlichen Daseins nicht verkannt, ebensowenig aber seine Vervollkommnung. Worin besteht dieses Ideal? Worin erblickt der Messianismus das Endziel der sittlichen Arbeit? Wie ist das messianische Zukunftsbild ausgemalt? Wohl ist der Tag des Herrn, an dem der Messias erscheint, auch ein Tag des Weltgerichts; aber es ist nicht ein Weltenbrand, ein Weltenuntergang. Das Ende der Tage (קץ הימין) bedeutet nicht das Ende der Menschheit, sondern vielmehr den Anfang einer neuen Menschheit. Das Ende der Tage bedeutet das Ende des Krieges unter den Völkern, das Ende der Feindseligkeiten unter den Menschen. Der Krieg aller gegen alle muß aufhören. Die Schwerter müssen umgeschmiedet werden in Winzermesser. Friede soll auf Erden werden. Der Weltfriede — das ist das Zukunftsbild des Messianismus. »Diese Zukunft bezeichnen die Propheten, indem sie die Befreiung der Menschen vom Kriege der Völker an die politische Sehnsucht auf die Freiheit des eigenen Volkes anknüpfen, mit demjenigen Ausdruck, unter welchem die eigene Sprache und die eigene Politik den höchsten Vertreter des Staates dachte: als Messias.« Alle Politik soll auf diese Zukunft hinstreben: alle Politik soll diese Zukunft als ihren Leitstern ansehen. Die Weltpolitik soll den Weltfrieden erstreben. In dieser politischen Bedeutung des Messianismus besteht vorzugsweise sein ethischer Wert. Im politischen Denken reift so die Religion der Propheten: er ist ja selbst Politiker, Patriot und Märtyrer. »Er ist der Anwalt der Armen, die von der Herrschaft am Staate ausgeschlossen sind. Er ist der freie Redner, der mit der Geißel seines Enthusiasmus auftritt gegen die Könige, die Fürsten, die Reichen und die Priester. Aber er begnügt