Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 133 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2829132-2829859-2829862-2892799--41081-2892817- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. 133 Fortgang der sittlichen Arbeit, ewige Aufgabe. In dieser Ewigkeit ist die Garantie für die Wirklichkeit des Sittlichen. »Das wäre keine Wirklichkeit des Sittlichen, welche den reinen Willen in harmonischen Frieden aufiöste, und von der Arbeit des Kampfes ablöste. Wirklichkeit des Sittlichen erkennen wir vielmehr gerade in dem Ziele, welches der sittlichen Arbeit gesteckt ist: unendlich zu sein.« Das Schmachten der Begierde geht auf Zeitliches. Der ethische Wille hingegen hat die Ewigkeit zum Zielpunkt: Er »ent* rückt sich dem Endlichen der Zeitlichkeit; er sucht seine Befestigung in dem unendlichen Durchdenken, Durchstreben der Zeit unter dem Leitstern der Ewigkeit. Daher muß in ihm alles Zeitliche ein Spiegel des Ewigen werden; in Ewiges sich verwandeln«. »Der reine Wille will die Ewigkeit. Er will nichts anderes als das Ewige. Und nur er kann das Ewige erzeugen«. Nur das Ende der Tage könnte das Ende des Sittlichen sein. Das will heißen: die sittliche Arbeit kann nur aufhören, wenn die Zeit aufhört; besser gesagt: wenn das Menschengeschlecht auf hört. Der ethische Wille ist ewig: so lange es einen Willen geben wird, wird es eine Sittlichkeit geben; so lange die Menschheit leben wird, wird auch die Menschlichkeit in ihr leben. Also bedeutet uns die Ewigkeit der messianischen Zukunft: die Unsterblich keit des sittlichen Ideals. Damit wird das Desiderat der Wirklichkeit für das Sittliche erledigt. Die Ewigkeit des Sittlichen ist seine Wirklichkeit; die ewige Fortdauer der sittlichen Arbeit ist seine Realität. Mithin ist die Art des sittliehen Seins: Ideal. Das Ideal ist nur das Bild der Vollkommenheit, hat aber keine adäquate Wirklich* keit. Die sittlichen Werke sind nur Stufen des sitt* liehen Seins, Stufen auf der Leiter der Vervollkommnung. Die einzelnen Stufen in dieser Entwicklung stellen keineswegs die Wirklichkeit des Sittlichen dar, aber seine Verwirklichung; sie dürfen nicht als isoliert betrachtet