Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 132 (sequence 4)
- Language
- German
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132 Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. Diese Bedeutung des Zukunftsbegriffes erhöht den Wert des Messianismus als eines Ideals des reinen Willens. Der Mythos verlegt die Sittlichkeit rückwärts, klagt um ein verlorenes Paradies. Der Messianismus emanzipiert uns von dieser Romantik für das Vergangene, richtet unsern Blick auf das Kommende. Der Prophet projiziert das goldene Zeitalter auf die Zukunft: auf das Ende der Tage. Es ist dies die feste Hoffnung auf den Erfolg der sittlichen Kämpfe, die edle Zuversicht auf den Sieg des Guten. Der Mensch ist kein Raubtier, daß man sagen dürfte: homo homini lupus; jedenfalls ist er nicht verurteilt, es immer zu bleiben. Er ist nicht der ewigen Verdammnis preisgegeben, ist nicht ein Werkzeug der Erbsünde. Wir sind Kinder Gottes, nicht des Teufels. »Es ist daher nicht ein Ausdruck der Wahrhaftigkeit, die geschichtliche Konsequenz zu ziehen, daß es immer so bleiben werde, wie es immer gewesen ist.« Der Wiile soll also nicht zur Sehnsucht erschlaffen, sondern in der Fernsicht wach und wacker sein. Die Propheten verkünden die reale Zukunft der Sittlichkeit. Sie »sind die Schöpfer einer neuen Art des Denkens, die wir eben in einem strengeren Sinne als Religion bezeichnen. Daher begnügen sie sich nicht damit, zu sagen: so soll es sein. Sie sagen zugleich: so wird es sein«. Die messianische Zukunft ist aber nicht ein Abschluß, etwa ein Stillstand in der Zeit. Das Ende der Tage bedeutet nicht ein Ende, sondern ein Ziel. So will der Begriff der Zukunft tiefer erfaßt werden: in dem Begriffe der Ewigkeit. Hier erhält der Messianismus seine ganze Wucht. Die Ewigkeit bedeutet uns nicht die Allheit der Zeit, die unendliche Summe aller Zukunft; sondern die Allheit des Sittlichen, ihre unendliche Aufgabe. Der echte Begriff der Ewigkeit ist ein ethischer Begriff; er bezieht sich nicht auf die Zeit, sondern auf den reinen Willen. Die Ewigkeit besagt uns nicht ewige Zeit, sondern ewige Sittiichkeit; nicht ewige Dauer, sondern ewige Arbeit: ewigen