Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- Seite 131 (sequence 3)
- Language
- German
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Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. 131 wird. In der Tatsache dieser natürlichen Entwickelung er* blickt die sittliche Sorge eine Bestätigung ihrer Forderungen. Freilich darf nicht diese Entwickelung an sich als die Entwickelung der Sittlichkeit angesehen werden. Wir waren ja bereits auf die große Gefahr dieser Identifizierung für die Selbständigkeit der Ethik aufmerksam. Haben wir oben die Verbindung von Ethik und Logik, das will sagen: von Natur und Sittlichkeit in der religiösen Bestim* mung des Gottesbegriffs hervorgehoben — Gott ist Urquell der Sittlichkeit und Schöpfer der Welt — so können wir jetzt diese Verbindung, die durch den Begriff der göttlichen Fürsorge befestigt wird, im Problem der Schöpfung noch näher und tiefer erkennen: in ihm wird das Dasein der Natur als die Voraussetzung für die Grundlegung der Ethik gedacht. Das ist der messianische Begriff der göttliehen Vorsehung. So besagt uns die Messiasidee: das Sittliche realisiert sich, ist jedoch keineswegs Realität; das Sittliche ist nicht dinglich gegeben, sondern immer Aufgabe, Ideal. Diese Realität der Sittlichkeit liegt in der Zukunft; diese Zukunft zu erreichen, ist die Aufgabe, das Ideal des Menschen. Die prophetische Messiasidee erhält hier ein neues Moment in der Bedeutung als Idee der Menschheit: als Ideal der Zukunft. Wir wissen, wie sehr der Zukunftsbegriff in der Begründung des reinen Willens sich geltend macht. Der reine Wille ist rein von Gegebenem, er ist erfüllt von Aufgege* benem, von Seinsoliendem. Im Unterschiede von den Gegenwartsinhalten der Begierde wird der reine Wille als das Vorwärtsschreiten charakterisiert; als das Fortgehen von Tendenz zu Tendenz, von Vorsatz zu Vorsatz. Somit ist der Wille, sofern er rein ist, die Vorwegnahme des Inhalts. Er hat die Zukunft zu seinem Inhalt; er nimmt sie vorweg. Auf dieser Antizipation der Zukunft beruht die gruhdsätzliehe Unterscheidung der physikalischen Bewegung von der Handlungsbewegung des reinen Willens. 9*