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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1914-01-01 · Heft 2 · p. Seite 130

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
58 (1914)
Issue
Heft 2
Article
Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
Date
1914-01-01
Page
Seite 130 (sequence 2)
Language
German
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130 Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums. Daher muß der prophetische Gottesbegriff noch eine erweiterte Bedeutung erlangen. Diese erhält er in der prophetischen Messiasidee. Pessimisten und Quietisten sagen: das Sein des Sittliehen sei ein ewiges Einerlei. Heraklit lehrte: Alles fließt in einem ewigen Kreislauf, in einem ewigen Wechsel von Weltenuntergang und Weltenentstehen. Die Messiasidee aber ist der Optimismus der Sittlichkeit. Sie besagt den Fortschritt der Kultur, Kein Abstieg, sondern ein Aufstieg. Das Sittliche wird Natur, die Wahrheit wird Wirklichkeit. So bestimmt der Messianismus den Begriff der Kulturgeschichte als den der Geschichte des ewigen Fortschritts der Menschheit. In diesem Gedanken äußert sich der Optimismus einer Geschichtsauffassung; die Geschichte gibt nicht dem Unrecht Recht; vielmehr rächt sie sich an der Bestialität des Menschen, besser gesagte der Mensch rächt sich an der Bestie in ihm. Dieser Begriff vom Fortschritt in der Geschichte darf aber keineswegs im Sinne der Evolutionstheorie aufgefaßt werden; dies widerspräche der prophetischen Messiasidee als dem Ergänzungsbegriffe der prophetischen Gottesidee. Hier muß also der Fortschritt in der Geschichte den Fortschritt des freien Willens bedeuten, während die Evolutionstheorie den Fortschritt in den Kausalnexus der geschichtlichen Phänomene verlegt; die Geschichte wird hiermit in Natur nivelliert, indessen nach der prophetischen Gottesidee die Sittlichkeit nicht etwa als Naturnotwendigkeit zu begreifen ist. So wird auch der Begriff der göttlichen Vorsehung bestimmt, in der bereits die Tendenz des Messianismus enthalten ist. Die Fürsorge schränkt die Freiheit des Mensehen als eines sitilichen Wesens nicht ein, sondern ermöglicht sie. Die göttliche Fürsorge bedeutet die Annahme eines historischen Gutes. Es ist dies eine Hypothesis für die potenzielle Willensfreiheit, die keineswegs dadurch aufgehoben

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