Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 58 (1914)
- Issue
- Heft 2
- Article
- Hermann Cohens methodische Begründung des Judentums
- Date
- 1914-01-01
- Page
- 129 (sequence 1)
- Language
- German
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Hermann Cohens methodische Begründang des Judentums. Von Jacob Klatzkin. (Schluß.) IV. Die Messiasidee. Indessen ist hiermit der Gottesbegriff noch nicht in seiner Vollwertigkeit erkannt, so daß die Ethik weiter keine Ansprüche an ihn zu erheben hätte. Vielmehr stellt sich für die Bejahung einer Ethik die Notwendigkeit ein, das eben angebahnte Verhältnis zwischen Natur und Sittlichkeit — Wirklichkeit und Wahrheit — noch inniger und tiefer zu gestalten. Es kann nicht genügen, wenn die Realisierbarkeit des Sittlichen durch den Gottesbegriff gewährleistet wurde; nur die Erkenntnis der Realisierung schützt das Sittliche vor dem Verdacht des falschen Scheins. Die Ethik wäre ein Machwerk, sollte nur ihre Existenz möglichkeit und nicht ihre Existenz i a 1 i t ä t proklamiert werden dürfen. Es kann uns nicht genügen, wenn nur die Disponibilität der Natur für das Sittliche bejaht wird: daß die Wirklichkeit sich die Wahrheit gefallen lassen kann. Verdient denn eine solche Wahrheit, daß man ihr Glauben schenke? Ist sie doch eine bloße Eventualität. Und der krasse Materialismus dürfte nun Recht behalten: daß die ethische Wahrheit sich nie bewahrheitet hätte. Man sieht sogleich: es darf dabei sein Bewenden nicht haben, sonst würde es um die Ethik arg bestellt sein. Das Sittliche gewinnt an Natur, die Wahrheit an Wirklichkeit: so müßte man sagen dürfen, wenn anders die Ethik die Realität unseres Lebens zu besagen hat. Monatsschrift, 58. Jahrgang. 9