Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 693 (sequence 28)
- Language
- German
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693 Eine unbekannte jüdische Sekte. auf die Tätigkeit dieses Engels zu ziehen, da er viel■״ leicht nur sagen will, daß dieser Fürst der Lichtwesen Moses und Aaron seine Hü te angedeihen ließ; Dann vorausgesetzt, und an den oben genannten Stellen wird eben darum auf die Eigenartigkeit der Offenbarungen an Mos^s hin* gewiesen; die unmittelbar waren. Dieselbe Auffassung findet sich noch bei Ben Sira ~ XLV, 3 ff. —, der die Offenbarung des Gesetzes in folgenden Worten beschreibt: »Und er — Gott — ließ ihn seine Stimme hören und ließ ihn dem Dunkel sich nahen, und er gab ihm in seine Hand das Gebot, das Gesetz des Lebens und der Einsicht, damit er in Jacob seine Satzungen lehre und seine Rechte Israel«. Wenn daher im Buche der Jubiläen — vgl. Charles a a. O. — vom Niederschreiben des Gesetzes durch *den Engel des Angesichts« die Rede ist, so soll damit nicht gesagt sein, daß dieser, und nicht Gott selbst, das Gesetz offenbarte, eine Ansicht, die schon deswegen unmöglich diesem Buche zugeschrieben werden kann, weil darin — I, 4 ff. — ausdrück ich behauptet wird, daß Gott Moses belehrt habe, sondern der Sachinhalt ist folgender: Gott selbst offenbarte Moses die zehn Gebote wie die übrigen Gesetze, doch wurden nur jene von Gott selbst niedergeschrieben — Exod. XXXI, 18 —, diese aber vom Engel des Angesichts. Also nicht die Offenbarung des Gesetzes erfolgt durch einen Engel, sondern dessen Niederscbreiben, nachdem Moses es von Gott mündlich vernommen hatte. Die hier zum Ausdruck gebrachte Vorstellung ist die, daß das ganze Gesetz himmlischer Herkunft ist, und nicht nur der Dekalog. Eine ähnliche Arsicht liegt vielleicht auch in der oben erwähnten Hechalotsteile vor nachdem Moses von Gott das Gesetz mündlich erlernt hatte, vermochte er nicht, es seinem Gedächtnisse einzuprägen — vgl. Ahnli:hes, Jubiläen XXXII, 25 י— geschweige gar es aus dem Gedachtnisse niederzuschreiben. Er erhielt daher das Gesetzbuch von dem Engel der Thorah. Es wäre auch nicht ausgeschlossen, daß auch Josephus a. a. O. dasselbe sagen wollte; nur der Dekaiog wurde von Gott niedergeschrieben — Josephus Ant. III, 5, 8 — die übrigen Gesetze von Engeln. Wahrscheinlich aber will J״sephus, in Übereinstimmung mit dem Midrasch, sagen, daß Gott sdbst den Dekalog offenbarte, den Rest des Gesetzes aber durch seinen Gesandten Moses Aus rhetorischen Rücksichten ist bei Josephus der Plural »Gesandte« für den Singular geboten. Die Offenbarung des Gesetzes durch Engel läßt sich mit Sicherheit nur in den pauiinischen Schriften — Gal. III, 19 u. a. a. O. — nachweisen und wir haben es da wohl mit einer tendenziösen Lehre des Paulinismus zu tun. Die Abrogierung des Gesetzes duich