Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Eine unbekannte jüdische Sekte
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 692 (sequence 27)
- Language
- German
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692 Eine unbekannte jüdische Sekte. zügegeben werden, daß der Ausdruck ביד שר האורים viel zu unbestimmt ist, um mit Sicherheit daraus Schlüsse ׳ III, H4 — ist keine Rede davon, daß »der Engel der Thorah« diese , Moses offenbarte, sondern, wie aus einem Vergleiche dieser Stelle mit Schabb. 89b und Bet Ham« 11, 116 hervorgeht, wird hier nur gesagt, daß dieser Engel Moses die geheimnisvolle Kraft der Thorah, שם*ש kund tat, vermittels welcher er imstande war, die Thorah seinem Gedächtnisse so einzuprägen, daß er sie nicht mehr wie früher vergesse. Josephus Ant XV, 5, 3 ist e n Wortspiel mit מלאך, das hebräisch sowohl Engel wie Gesandter bedeutet; Gott, sagt dieser, offenbarte die wichtigsten Lehren und Gesetze durch Moses und die Propheten, die er— nach biblischen Sprachgebrauch.Chagg. l, 17 — als »Engel bezw. Gesandtec bezeichnet; Ant. III, 5,1 und 4 bezeichnet Josephus ausdrücklich die Gesetzgebung als eine unmittelbare, und a. a 0.8 wird noch hervorgehoben, daß die Schrift auf den Tafeln von der Hand Gottes herrühre, so daß er unmöglich die Gesetzgebung den Engeln zuschreiben konnte, es sei denn, daß darunter dieLehren und Vorschriften bei den Propheten zu verstehein seien. Vgl. auch Maimonides Moreh III, 45 : »Keine Thorah ohne Propheten, aber Piophetie ist nicht möglich ohne die Vermittlung eines Engels«. D.ese Worte, die an Josephus lebhaft erinnern, gelten aber, wie Maimonides selbst austührt, nur von allen andern Propheten, jedoch nicht von Moses. Die Behauptung manchei Neueren, daß das Judentum nur eine mittelbare Gesetzgebung kannte — Bousset a a. O. 377; Cnärles, Buch d. Jub. I, 27 — ist bezeichnend für deren Methode. »Jüdisch« ist für sie nicht das, was in der Bibel, noch weniger das, was in der rabbinischen Literatur sich findet, sondern nur die phantastischen Einfälle der Apokalyptiker, bei denen häufig noch die Fiage berechtigt ist, ob wir nicht Christhches, Ja sogar Ant judisches vor ,uns haben, gelten ihnen als die enzigen autoritativen Quellen für das »־Jüdische«. Im Pentateuch — Num XII, 8; Deut. XXXIV, 10— wird ausdrücklich die unmittelbare , Offenbarung des Gesetzes behauptet, und so lange wir keinen über-;zeugenden Beweis für die Annahme haben, daß später diese Ansicht aufgegeben wurde, ist es gegen jeden Grundsatz wahrer Kritik, eine solche Degradierung des Gesetzes u id des Gesetzgebers anzunehmen, denn die spätere Entwicklung des Judentums bewegt sich gerade in der entfg^genge$etz en Richtung, das Gesetz und alles, was mit der Offenbarung zu tun hat, zu verherrlichen. Das Auftreten der Engel, als der Vermittler י göttlicher Offenbarungen, bei den nachexilischcn Propheten hat, was Charles a a. O. ünersehen hat, m!t unserer Frage nichts zu tun; die Existenz der Engel wird auch im Pentateuch — Exod. XXII 1, 20 —