Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 664 (sequence 24)
- Language
- German
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664 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman auch gefallenen Judenmädchens des 17. Jahrhünderts, das voll ist von der »äußerlichen Sinnlichkeit der jüdischen Weiber«. Das Kind ist ein Knabe, um dessentwillen, wie es scheint, das ganze, lange »Vorspiel« gedichtet wurde, denn er ist »der Stammvater jenes denkwürdigen Menschen, von dem in den folgenden Blättern die Rede ist«. Während nach der Katastrophe ein Teil weiter zieht, begegnet ihnen eine Anzahl fremder Wagen; sie führen die von Kaiser Leopold I. aus Wien vertriebenen Juden. Das kann zwar geschichtlich wieder nicht richtig sein, denn die Geschichte spielt 1665, und die Juden wurden 16701) aus Wien ausgewiesen, aber das tut nichts. Die Fürther sind vollständig entmutigt, besonders da sie die Nachricht trifft, Sabbatai sei zum Islam übergetreten. Leider ist auch dies wieder falsch, da der Übertritt erst am 13. September 1666 stattfand, aber es gibt Gelegenheit zu einer überaus »objektiven« Auslassung: »Die Juden sind ein starkes und störrisches Volk; doch sind sie nur groß, wenn ein Gelingen bei ihnen wohnt, und sie sind nicht lange groß, denn sie brechen leicht in dem Erstaunen über ihre eigene Größe. Auch Sabbatai Zewi war ein Jude, vielleicht das klarste Bild des Juden, ein Stück Judenschicksal«. Fürther und Wiener gründen Zionsdorf, das von den Christen Zirndorf genannt wurde. Und nun kommt eine Glanzstelle, wie sie nur ein vollkommen objektiver Jude über sein Volk liefern kann: »Geschlecht auf Geschlecht erstand und verblühte, und eine neue Zeit kam ... und der Jude, anfänglich nur Knecht, wert genug, den Fußtritt des übelgelaunten Herrn zu empfangen, tat seine Augen auf und erspähte die Schwächen und erriet die Geheimnisse dieses Herrn2). Da griff er alsbald mit seinen Händen hinein in die Maschinerie der Völker und ihrer Gerichte und ihrer Kriege, und oft verrichtete er ungesehen kaiserliche Dinge, wenn die >) S. Oraetz X», 237. *) Vgl. unten bei Kurt Münzer. "