Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 665 (sequence 25)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 655 Monarchen schliefen und die Minister schwach waren. Sabbatai wurde ein Moslem, und manche sagen zum Schein. Der J ude wurde ein Kulturmensch! und manche sagen zum Schein. Manche sagen, der Verderber und Verführer sitze in ihm und er verstünde die Büh e dieser Weit besser als ihre (?) Erbauer. Dies ist sicher: Ein Schauspieler oder ein wahrer Mensch; der Schönheit fähig und doch häßlieh; lüstern und asketisch, ein Charlatan oder ein Würfel spieler, ein Fanatiker oder ein feiger Skiave, alles das ist der Jude. Hat ihn die Zeit dazu gemacht, der Schmerz oder der Erfolg? Gott allein weiß es«. Jawohl, der bestenfalls vierundzwanz'gjährige Wassermann nicht, denn er weiß, obwohl selbst ein Jude, gar nichts von den Juden, oder will nichts von ihnen wissen. Und der Schluß der Tirade und des Vor- Spiels: »Das Wesen eures Volkes ist wie das Wesen einer einzelnen Person: sein Charakter ist sein Schicksal«. Hatten also die Judenverfolger aller Zeiten nicht recht, wenn sie die Juden und damit auch die Väter Wassermanns ausrotten wollten? Wie bereits gesagt, ist das Vorspiel für den Roman ganz entbehrlich, genau so wie das Vorspiel der Dame Karin Michaelis, aber wie dort um 21, so ist hier das Buch um 92 Seiten stärker, und das ist ein zureichender Grund. (Fortsetzung folgt.)