Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 658 (sequence 18)
- Language
- German
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658 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Rächet jedoch (sie gehört ebenfalls zu der reichen ■Fälle feingezeichneter Charaktere) empfindet Gewissensbisse. Und wie äußern sich diese? »Sie haßt Vater und Mutter, die bleichen, gebetseif׳ igen, jüdischen Männer, ähre gefräßigen, schwatzhaften Weiber, die altklugen Knaben, d׳e frühreifen Mädchen, die kindischen, fanatischen Greise. Alle schienen ihr verächtlich und unrtin«, ihr, der Gefallenen, der Betrügerin, mit der äußerlichen Leidenschaft der jüdiv schert Weiber. Das ist sicherlich sehr fein gezeichnet. Ob abef selbst trotz der sabbataischen Schwärmerei Auftritte, Wie sie der vollkommen objektive Wassermann schildert, in einem jüdischen Ghetto des 17. Jahrhunderts möglich seien, bezweifle ich. Vielleicht gehören sie zu den geschiechtlichen Stlmulamien, deren sich die modernen Schriftsteller so oft und so gern bedienen. Da laufen junge jüdische Mädchen mit entblößten Brüsten und mit Augert, die von übermäßigem Wein gen lisse glühen, in den Gassen umher, da Wirft bei einem Mahle im Hause des Öberrabbi, wo fünfzig Männer ürtd FraUeh versammelt sind, der Rabbi als erster die Kleider von sich und reißt dann der schönen EStHet Frankel (?) das Gewand vom Leibe. »Ihre Lippen küßtefi Sich* wie zwei Ertrinkende hielten sie sich tunschlurtgen iiüd nahezu nackt (vgl. weiter unten) schwangen sie Sieh in einem örgiastischett Tänz umher 4 *•. Männer, dje Schon an der Schwelle des Grdsenaiters standen (der Oberrabbi selbst war öffenbar noch jung) geberdeten sieh Wie FaUne, Weiber mit grauen Haaren gaben sich beklagens- Werter Verirriing hin. Die Thdsela Knöcker trank, fast Ohne auszusetzen, schwere Burgunderweine (warum nicht Champagner?).. . Es waren junge Mädchen da, die sich einer rasenden Liebesgier (mit der äußei liehen Leidenschaft der jüdischen Vi/eiber natürlich) überließen, als! wollten sie damit die Jahre der Entbehrung in ihrem Gedächtnis verwischen. Manche sahen aus wie Furien, die lechzend von Lust zu Lust wanken und sich schamlos in finsteren Lastern (und