Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 657 (sequence 17)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 657 Franken gedrungen ist. Die Juden von Fürth sind wie von einem ergreifenden Zauber umschlungen und die Christen (diese wohl erst später? nicht?) waren verwundert über ihr aufgeregtes Wesen. Gegen neun Uhr kommt ein staubbedeckter Bote aus Nürnberg (wohlgemerkt am Jom Kippur!) mit einem Schreiben des berühmten Samuel Prirrto, eines Jüngers Sabbatais. Samuel Primo lebte, wieder beiläufig, in Jerusalem. Das Schreiben nimmt der Chassan in Empfang und liest es sogleich vor. Wo bleibt der Gemeindevorstand? Die Verzückung wächst. In Fürth nun lebt ein Mann, Maier Knöcker (das soll auf jüdisch heißen »der Stammler«) »der Nathan«; seine Frau heißt Thelsela1). Er allein bleibt nüchtern und kalt inmitten des allgemeinen Rausches und fürchtet nur für sein Geld. Er hat eine Tochter. »Sie war nicht gerade schön, aber sie hatte die üppigen Formen und die äußerliche (!) Leidenschaft der jüdischen Weiber, und in ihren Augen war etwas dumpf Sinnliches (auch äußerlich?), das die Männer zu ihr trieb. (Die Juden des 17. Jahrh!) Rachel hatte nun vor langem ein Liebesverhältnis mit einem christlichen Studiosus aus Erlangen und , war (wohl aus äußerlicher Leidenschaft?) in dessen Armen gefallen«. Schwanger, findet sie endlich durch angeborene Schlauheit einen Ausweg, ihre Schande zu verbergen. Der Geliebte schleicht nämlich auf ihren Rat In die Wohnung und ruft mit verstellter Stimme: »Boruch.ado (!) adonai elohim (!!)! Eure Tochter, die eine Jungfrau ist, hat eine Tochter in ihrem Leib empfangen, die wird eine Braut sein dem Erlöser des Volkes Israel, dem Messias zu §myrna«. Und das glaubt auch der nüchterne, kalte Maier Nathan, wie er diesmal heißt2). *) Das ist im besten Falle ein stilisierter Name. Wahrscheinlich ist es Tölzel aus Tolza, Dolza. S. Zunz, Namen der Juden, S. 73. Mit dem Namen Thuratara weiß ich gar nichts anzulangen. *) S. einige solche Geschichtchen bei Schudt, Jüdische Merkwürdigkeiten, I,.411.ff. Monatsschrift, 57. Jahrgang. 42