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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 6 · p. Seite 656

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 6
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1913-01-01
Page
Seite 656 (sequence 16)
Language
German
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656 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman verdichteter Schwulst. Dieser Jude, Zacharias Naar1), nun tritt 'gleich .darauf mitten, in das Gewühl der Kirmesfeiernden (der Verfolger nota bene, siehegehetzlesTier) und schreitet mit langflatterndem Kaftan auf ein Mädchen zu, ein Judenmädchen Zirle, das eben mit klagender Stimme ein etwas freies Lied vorgeiragen hat, und foidert sie unvermittelt auf, ihn um die Mitternacht des nächsten Vollmonds zu treffen, er verkünde den Messias. Beiläufig gesagt, hat sich SabbataiZewi,nach Graetz2) im September 1665, zürn Messias ausrufen lassen und die Nachricht davon dürfte kaum so früh nach Amsterdam, woher Naar der Geschichte nach gekommen sein muß, und dann durch ihn nach Fürth gelangt sein. Zacharias geht hierauf zum Tempel der Juden. Dort war noch Gottesdienst, denn es war Vorabend des Versöhnungsfestes. Frage: Erstens, befindet sich ein frommer Jude des 17. Jahrhunderts an diesem Vorabend im Freien beim Kirchweihfest? Und zweitens, fiel der Versöhnungstag damals in den Anfang des Oktober? Das erste sei immerhin möglich, wenn auch ganz und gar unwahr- . sche nlich, das zweite ist bestimmt falsch. 1665 fiel der Vorabend dieses giößtert jüdischen Festes auf den 18. September. Doch derartiges darf uns keineswegs Wunder nehmen, wir werden noch andere Beweise von Wassermanns Kenntnis des jüdischen, aber auch des christlichen Kalenders kennen lernen, nicht rnmder, wie von seinem »tiefen Eindringen in die Sitten, Gebräuche und Gefühle seiner Glaubensgenossen«, um das Wort seines Kritikers zu benutzen. Nach Beendigung des Gottesdienstes schreitet Zacharias zum Altar und erzählt in prophetischem Tone von Sabbatai Zew1\ von dem eine dunkle Kunde bereits auch nach . *) Man hat mir gesagt, daß Wassermann ernste Studien zu seinem Buche gemacht habe. Möglich. Bei Graetz Xa, 104, 205, 215, 225 heißt dieser Jude Isaak mit Vornamen. 2) Nach Graetz Xs, S. 434, N. 3 hat er atn 14 Dez 16f 5 sich als Messias erklären lassen, im Texte allerdings schon am jüdischen Neujahr dieses Jahres, das auf den 10, Sept. 1665 fiel.

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