Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 655 (sequence 15)
- Language
- German
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655 des zwanzigsten Jahrhunderts. beweist der Dichter sowohl in der reichen Fülle feingezeichneter Charaktere als im Gange der Handlung die vollkommenste Objektivität.« So zu lesen in der Neuen Züricher Zeitung, deren Kritiker das Judentum wohl aus eigener Anschauung so genau kennt, um dieses Urteil mit Fug abgeben zu können. Wie es mit den zutreffenden Worten, den feingezeichneten Charakteren und der vollkommensten Objektivität aussieht, werden wir im Verfolge sehen. Zweiundneunzig Seiten, ein Viertel des Buches entfallen auf das »Vorspiel«, das die Wirkung des Auftretens von Sabbatai Zewi in Fürth schildert und mit dem Übrigen in keinem anderen Zusammenhänge steht, als daß der Held der eigentlichen Geschichte, die am Ende des vorigen Jahrhunderts spielt, von der Tochter des Maier Nathan abstammt, die sich aus Sinnlichkeit einem christlichen Studenten hingegeben hat und daß infolge der Auswanderung der Fünher Juden Zionsdoif, nachher Zirndorf entstand. Dieses Vorspiel nun beginnt mit dem Oktober 1665, dem Kirchweihfest. Auf ihm erscheint ein a'ter Jude und blickt finster und forschend in das heitere Getümmel. Sein Gesicht war von grünlich-weißer (?) Färbung, ein wenig später ist es schon gelb. Ein roter Bart floß mager um Kinn und Wangen. Der rote Bart ist ein altes und daher nicht eben originelles Accidens der Juden; es stammt von Judas Ischariot und wird daher ebensowohl vom alten Spindler z. B., wie vom jungen Wassermann und anderen, wie wir sehen werden, verwendet. Nun kommen die Augen daran. Es sind »Juden au gen: voll Haß, voll Unfrieden, voll von unbestimmtem Flehen, von einer gedrückten Innigkeit, bald in Leidenschaft flackernd, bald in Schwermut alle Glut verlierend, die Augen des gehetzten Tieres, das angstvoll und kraftlos die Blicke dem Verfolger zuwendet oder in bebender Sehnsucht hinausstarrt in das Land der Freiheit«. Das ist mit Verlaub gedankenlose Phrase und