Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 653 (sequence 13)
- Language
- German
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653 des zwanzigsten Jahrhunderts. Gattin bald nach der Adoption Rachels gestoiben war. Von Juden und Ghetto ist nicht mehr die Rede. Van Grooten umgibt unsere Heldin mit dem ausgesuchtesten Luxus, er empfindet eine leidenschaftliche, wenngleich hoffnungslose Liebe zu ihr. In Wales begegnet uns auch Simon wieder und nicht lieblicher als vorher, ja er stinkt jetzt schlimmer als ein Aas nach Knoblauch und Weißkohl, jedermann weiß doch, daß Äser nach Knoblauch und Weißkohl stinken, oder sollte diese ebenso appetitliche wie naturwissenschaftliche Beobachtung sich auf unsere geschmackvolle Schriftstellerin beschränken? Simon handelt, wenn er nicht das Haus Racheis beobachtet, natürlich mit allen Sachen und ist immer in eine Art Kaftan mit weiten Ärmtln und einem Gurt um den Leib gekleidet, wieder offenbar die Nationaltracht der holländischen Juden. Er verschwindet zwar bald, taucht aber noch einmal am Hafen auf. Da man es schwerlich ahnt zu welchem Zweck, so muß ich es wohl verraten. Ein Schiff aus Alexandrien nämlich löscht Zwiebeln und — Baumwolle. Hier sitzt er nun auf dem niedrigen Bollwerk »sicher einzig und allein, um diesen (welchen?) allen andern so widerlichen Geruch einzuatmen.« Zu Hause klagt er sich an, Rachel die Begierde nach Gold gelehrt zu haben, wovon übrigens niemals die Rede war. Gleichwohl läßt er ihr den Beutel mit den Diamanten übergeben, er selbst wird eines Tages im Hafen als Leiche gefunden. »Simon Jumaisohn,« sagt dankbar Rachel bei der Nachricht hievon, »war gewiß, was ihr Anderen unter einem braven Mann versteht. Mich ging er nichts an — tot oder lebend, so wenig wie diese Sieine« und sie, die im Ghetto den Reichtum lieben gelernt hat, wirft die kostbaren Diamanten ins Wasser. ־ Nun ja, sie schuldete Simon nichts; da er ihr den einzigen Liebesdienst, um den sie ihn gebeten, versagt hatte, nämlich den wie wir erraten müssen, van Grooten, von dem sie sich befreien will, zu ermorden. Dieser und Hookes aber, der