Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 651 (sequence 11)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 651 fundenen Christenkinde, wenn es sich darum handelt, einer geschmackvollen, erfindungsreichen Dame in ihren Nöten zu helfen? »Er dachte daran auch dieses Leibgericht aufzugeben; wenn er aber mehrere Tage den Geschmack von Zwiebeln (und Knoblauch? und Kohlsuppe?) entbehrt halte, ward ihm elend und flau, wie nach langem Fasten und so endete es denn damit, daß er nicht nur sein Brot damit einrieb, sondern mit e i n e m ganzen Haufen von Zwiebeln unter der Zunge umherging.« Zum Glücke, und damit die feinfühlige, ja nur die reine Natur darstellende »Dichterin« nicht als ganz von aller Vernunft verlassen erscheine, hat der liebe Gott unsern lieblichen Simon offenbar mit einer besonders großen Zunge und einer noch größeren Mundhöhle begabt. Aber weiter! Auch über dem ganzen (jüdische!,) Stadtteil liegt gleich einem he ßen Athem der Knoblauchgeruch. Da nun jedoch, wie gesagt, Rachel diese odeurs partout nicht mag, so erhandelt Simon um teures Gold einen Flakon mit — verdünntem Rosenöl. Und eines Tages gibt er der Versuchung nach, ihr, da sie (die Christin!) blanke. Gegenstände liebte, die glänzenden Steine zu zergen, »die sonst wohl verwahrt in dem Lederbeutel an seiner Lende ruhten,« und er muß es dann wiederholt getan haben, denn einmal verschluckt sie aus Mutwillen einen der S eine. »Für den Stein hätte' er ein Haus kaufen können und noch viel mehr, für den Stein hätte er viele Jahre lang wie ein König (wahrschein־!ich von recht viel Knoblauch und Zwiebeln) leben können. Noch mehr quält ihn die Angst, daß der Diamant ihr scnaden könne.« Bei äufig gesagt ist diese Furcht unbegründet; Rachel trägt ihn ihr Leben lang im Magen mit sich herum. Dtch genug von all diesen anmutigen Dingen. Das Kmd wächst heran, ohne daß Simon es je berühren, geschwelge liebkosen darf. Er kauft ihr feine Wäsche und schöne Kleider, sie wird nicht dankbarer. Dann besucht sie die Schule. »Sie stopfte sich Watte in die Nasen-