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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 6 · p. Seite 648

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 6
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1913-01-01
Page
Seite 648 (sequence 8)
Language
German
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648 Die Darstellung der Juden Im deutschen Roman Darstellung der Juden bei Michaelis Karin. Rachel von Michaelis Karin. Ein Ghettoroman. Deutsch von Math. Mann. Concordia, Deutsche Verlagsanstalt, Berlin Q. J. (1910.) 246 S. Die Verfasserin ist allerdings eine Dänin. Da sie aber durch ihren Roman: »Das gefährliche Alter« besonders in Deutschland das größte Aufsehen, wenn auch in wenig rühmlicher Weise erregt hat und »Rachel« sich bemüht, dieses Aufsehen in ebenso wenig rühmlicher Weise fortzusetzen, da er ferner in mancher Beziehung typisch ist, so mag es gerechtfertigt erscheinen, wenn auch er herangezogen wird. Um es vorweg zu nehmen, »Rachel« ist trotz Namen und Untertitel gar kein Ghettoroman und beides, Haupt- und Untertitel, ich sage es mit voller Absicht, nur ein Köder, berechnet in erster Linie auf die Juden, die ja meist die besten Bücherkäufer sind. Nur die Einleitung spielt im Amjter״ damer Judenviertel, der Schauplatz könnte ebensowohl anderswo liegen. Ein Jude, Simon Jumaison (!), sitzt am Fenster, verzehrt sein mit Knoblauch eingeriebenes Brod, dazu saure grüne Gurken, beides offenbar Nationalspeisen von Mizraims Zeiten her und schwatzt mit sich selber über die Geschäfte des Tages. Er läßt sich, bloß um die Weiber loszuwerden, wenn sie um ein altes Kleidungsstück oder ein elendes Stück Hausrat feilschen, gutwillig übers Ohr hauen. Nur am Sabbath gönnt .er sich »Kohlsuppe mit Graupen und gelben Wurzeln, eine höchst angenehme Speise«. Licht zu sparen, geht er früh zu Bett. Vor allem also der leibhaftige, jüdisehe Geizhals. Dabei ist Simon noch jung, aber häßlich, selbstverständlich im Besitze von gut ausgebildeten Plattfußen, in den Augen der Naturalisten und Realisten ein unumgängliches Charakteristikum des echten Juden. Eine pfeifende Stimme und eine Hasenscharte vollenden das

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