Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 647 (sequence 7)
- Language
- German
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* des zwanzigsten Jahrhunderts. 647 G. (Gutzkow) und W. (Wienbarg) den Deutschen Voltaires Exkremente auftischen wollen, fürchte ich nicht, daß sie viele Gäste bekommen werden.« Wenn ich nun daran gehe, eine größere Anzahl von »Judenromanen« aus dem letzten Jahrzehnt zu untersuchen, so schicke ich vor allem voraus, daß ich eigentliche, literarische Kritik nur nebenbei zu üben gedenke, Ihre Kom- Position, ihre Technik und ihr Stil sind mir ebenso Neben- Sache, wie den Verfassern selbst ja auch. Unbeeinflußt von der landläufigen, lobhudelnden Kritik, will ich die Arbeiten betrachten, nicht mit allgemeinen, hochtrabenden Redensarten; die Verfasser selbst sollen sich richten und ich kann versichern, daß die Belegstellen nicht ad usum delphini zugerichtet sind. Ich brauche ja keinen Zunftgeist walten zu lassen, da ich der Zunft nicht angehöre und keiner Gegendienste bedarf. Mich, ich vermtidemit guter Absicht den pluralis majestaticus, wenn ich auch vielen aus der Seele zu sprechen hoffe, mich läßt es gleichgihig, daß fast jeder dieser Romane bei seinem Erscheinen von der Tageskriiik, über deren Wert ich mich nicht aussprechen will, in den Himmel gehoben wird, daß nach ihr jedes neue Buch ein neues Meisterwerk, jeder neue Autor ein neuer Stern am literarischen Himmel ist. Ob die Herren Kritiker die von ihnen besprochenen Bücher auch gelesen haben, bezweifle ich. Ich habe sie leider gelesen — leider, da sie mit wenigen Ausnahmen in jeder Beziehung wertlos sind. Ich habe mich des Weiteren bemüht, mich a les Persönlichen zu enthalten; wo das etwa nicht geschehen ist, hat »die Entrüstung den Vers gemacht«. Die behandelten Romane verteilen sich fast gleichmäß g auf christliche und jüdische Schriftsteller und wenn sie nicht nach bestimmten Gefühlspunkten, wie etwa: Taufe, Mischehe, Zionismus usw. angeoidnet sind, so ist das absichtlich geschehen, weil eben diese und andere Fragen sich oft so kreuzen, daß eine Ordnung sich schwer oder gar nicht hätte durchführen lassen.