Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 646 (sequence 6)
- Language
- German
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346 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman sich die Aufgabe stellt, jüdisches Wesen, jüdische Art dar» zustellen. Ist das aber der Fall? Ich־ leugne diese Kenntnis. Daß sie ein Graf Sternberg, eine Giäfin Salburg, daß sie die jungen, oft unmündigen Großstadtj jden besitzen, die sie zu schildern versuchen, wird niemand im Ernste behaupten. Kann uns dann das Ergebnis Wunder nehmen? Ich denke, nein! Wir sehen Schatten, Zerrbilder, aber nicht Menschen. Noch einer der ärgsten Übelstände mag gleich hier / erwähnt werden. Eine sehr große Anzahl insbesondere ( der sehr jungen »Dichter« schreiben den Juden alle mög- [ liehen geschlechtlichen Perversitäten zu. Gut! die moderne Literatur schwelgt ja in der Darstellung des Geschlechtj liehen, Grobsinnlichen. Frevtag und Keller, Raabe und \ Storni, Heyse und K. F. Meyer haben derartiges nicht nötig, ן um zur Geltung zu kommen. Weshalb aber gerade die! Juden die äuserwählten Vertreter dieser Entartungen sein müssen, begreife ich nicht, schon aus dem Grunde / nicht, weil die Juden gerade ihrem auch von den j Anderen anerkannten, musteigi tigtn Familienleben und j ihrer geschlechtlichen Sittenreinheit, die beide trotz alledem / in der Hauptsache und bei der weitaus überwiegenden Menge der Juden noch immer herrschen, ungeachtet alles f Druckes und aller Verfolgungen ihre Erhaltung verdanken. I Über di.e*e Beschuldigungen hat mich die größte Ern- \ pörung ergriffen. Übrigens ist selbst dieser Kniff nicht mehr so ganz neu. Zur Zeit des »Jungen Deutschlands« \/ suchten die neuen »Talente« gleichfalls durch Erregung der Sinnlichkeit auf die Leser zu wirken, und wer erhob seine Stimme dagegen? Neben W. Menzel der Jude Börne. In einem Briefe an'Menzel schreibt er1): »Ich teile ganz Ihren Abscheu vor solchen sittenlosen und glaubensschändrischen Schriften, aber ich gestehe, daß dieser Abscheu auf die Person des Verfassers nicht überging. Wenn l) Paris, 12. Nov. 1835. M. Holzmann, L- Börne S. 329; Mtteilungen aus dem Literaturai chive in Berlin 1907. Briefe an W. Menzel, S» 13.