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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 6 · p. Seite 645

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 6
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1913-01-01
Page
Seite 645 (sequence 5)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 645 ineinde verlebt haben, angenehme Erinnerungen; solchen, die das »Kehillahleben« nicht kennen, mögen sie ebenso als Kulturstudien gelten, wie dem Nichtjuden, Man denke an K- E. Franzos und man wird ein sehen, daß solche Juden für einen Nichtjuden überhaupt nicht darstellbar sind, wenn man nicht etwa E. Orzesko und Sacher-Masoch ausnehmen will. Bleiben also die Großstadtjuden. Aber diese eben gliedern sich wieder sehr mannichfaltig, und nur einer der von mir betrachteten Schriftsteller, Adolf Dessauer, hat es mit Glück versucht, alle diese verschiedenen Kreise dem Leben nachzubilden. Über der großen Menge Armer, die entweder von Almosen oder gelegentlichem, kärglichem Erwerbe ihr überaus jämmerliches Dasein fristen, erhebt sich eine Schicht kleinbürgerlicher Existenzen, über dieser eine zweite, dünnere, die sich eines größeren oder geringeren sicheren Wohlstandes erfreut und, da es zum Teile Emporkömmlinge sind, krampfhafte Anstrengungen macht, eine Rolle in der Gesellschaft zu spielen, zu diesem Zwecke Gelehrte und Künstler, von Namen natürlich, in ihren »Salons« versammelt und sich, jeder neuen Moderichtung und Modetorheit anschmiegend, vor allem ästhetisch gebärdet. Hier finden sich die Typen, die am meisten Veranlassung zu oft sehr berechtigtem Spott bieten; es sind jene Juden, die sich — nicht alle, aber die Mehrzahl — nun ihres Volkes schämen und den Anderen aufdrängen. Allein sind mutatis mutandis andere Emporkömmlinge in der Regel anders? Höchstens darin, daß sie ihren jungen Wohlstand oder Reichtum mehr irdischen Genüssen widmen. Und zu oberst endlich jene wenig zahlreiche Klasse der Banquiers, Fabrikanten und Millionäre, die in den Augen der Menge und des Pöbels, und dieser faßt, wenn ich ein Wort A. v. Humboldts ein wenig verändert gebrauchen darf, viele Klassen in sich, als die alleinigen Vertreter der Judenschaft gelten. Alle diese verschiedenen Teile, es gibt ihrer vielleicht noch mehr, müßte der Mann kennen, der

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