Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 642 (sequence 2)
- Language
- German
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642 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman bleiben. Dies ist die ganze Methode, wir möchten sagen, die Intrige unserer Lobpreiser!« So schrieb der klarsehende Ludwig Philippson1) itn Jahre 1877 in der noch heute schon ihrer Sprache wegen lesenswerten Besprechung von Hellwalds Kulturgeschichte, und die Verhältnisse sind durchaus dieselben geblieben, nur daß heute zu diesen »Lobrednern» recte Gegnern der Juden nicht zum wenigsten Juden gehören, merkwürdiger Weise jedoch nur sehr junge Juden, die sich in der Beschmutzung des eigenen Nestes nicht genug tun können, um sich ihre literarischen Sporen zu verdienen öder, um das Kind wieder mit seinem richtigen Namen zu benennen, ihren Namen um jeden Preis bekannt, ein Geschäft zu machen, in der ganz richtigen Voraussetzung, daß ihre »Werke«, die das Judentum behandeln, von den Juden aus natürlichem Interesse, von den meisten Nichtjuden als geborenen und, ich weiß kein besseres Wort, dressierten Gegnern gelesen werden würden. Zum Teile kommen sie ja, mögen ihre Bücher auch nur Eintagsfliegen sein, wirklieh auf ihre Rechnung, sie oder ihre klugen Verleger. Es ist eine Tatsache, daß von den überaus zahirelchen Büchern schöngeistiger Art ein unverhältnismäßig großer Teil sich mit den Juden beschäftigt Dagegen ließe sich nichts sagen, ja es wäre gewissermaßen wirklich schmeichelhaft, insofern es die Wichtigkeit bezeugen würde, die den Juden beigemessen wird. Allein es ist leider doch, wie ich gesagt habe, nur ein ganz gewöhnlicher Geschäftskniff. Unter allen Umständen nämlich, muß man voiaussetzen, sollten die Schriftsteller an ihre Aufgabe gehen: erstens sine irä et Studio, und zweitens nicht ohne genaue Kenntnis des zu behandelnden Stoffes. Das Betrübliche, ja geradezu Beschämende jedoch ist, daß gerade Jud n gegen beide Bedingungen am meisten, und zwar aufs Grob־ lichste sündigen, daß gerade Juden fast ausnahmslos das *) Gesamm. Abhandl. Bd. II, S, 327 L Lpz. Gust. Fock 1911.