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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 5 · p. Seite 628

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 5
Article
[Rezension]
Date
1913-01-01
Page
Seite 628 (sequence 4)
Language
German
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628 Besprechungen. jüdischem Dienstpersonal von 10*3 Prozent aller weiblichen Erwerbsätigen im Jahre 1895 auf 56׳ Prozent im Jahre 1907 bemerkenswert, ist aber daraus zu erklären, daß die jüdische Bevölkerung als Großstadtbevölkernug sich wegen der starken Gebundenheit vom Dienstbotenberuf abwendet. Die Beteiligung der Juden am Handel ist prozentual zurückgegangen, was mit der Konzentration des Kapitals in Waren- und Bankhäusern, wie dem Genossenschaftswesen zusammenhängt. Dagegen ist eine Zunahme der jüdischen Erwerbstätigen in der Industrie bemerkenswert, besonders ist der Anteil der jüdischen Unternehmer und Geschaftsleiter fast in allen Berufsgruppen der Industrie gestiegen, und es läßt sich nicht verkennen, daß die Juden in der Industrie eine wachsende Bedeutung gewinnen. Wenn bei dieser Gelegenheit dem Handel ein gewisses Stigma aufgedrückt wird, so halten wir ein solches Vorgehen nicht für ängebracht; daß die Juden bestrebt sind — wie Segall schreibt — aus dem ״Handel“ herauszukommen, entspricht wohl nicht ganz den Tat- Sachen; die Juden sind vielmehr anpassungsfähig genug, um zu wissen, daß sie in der Industrie eia besseres Fortkommen finden, als in dem unter die Macht des Großkapitals geratenen Handel. — Die in der Industrie beschäftigten Juden beziffern sich nach der letzten Berufszählung auf 62.000, außerdem finden nach der Annahme Segalis rund 90.000 Juden durch ein Handwerk ihr Brot. Segall hebt diese Zahlen hervor zum Beweise gegen die judenfeindliche Behauptung, die Juden seien ein ״Schachervolk“; aber die Frage bedarf doch noch der Aufklärung, ob nicht ein großer Teil dieser Handwerker und Industriellen mehr dem Handel zuneigt, als der Produzierung von Gütern. Sehr lesenswert ist SegalFs Kapitelabschnitt über die Verbreitung der Juden im öffentlichen Dienst und in den freien Berufen. Daß der prozentuale Anteil der Juden am Wehrstand ganz unbedeutend ist, dürfte allgemein bekannt sein. Aktive jüdische Offiziere gibt es im Deutschen Reiche nicht, auch die Zahl der jüdischen Unteroffiziere und Gemeinen hat um 29 Prozent abgenommen. Trotz der Lossagung vom väterlichen Glauben ist der Prozentsatz der Juden unter den höheren Reichs- und Staatsbeamten nicht ungünstig, während er unter den höheren Kommunalbeamten gering ist. Aus der Tat- Sache, daß sich im mittleren Beamtentum im Reich, Staat und Stadt nur wenige Juden finden, nimmt Segall Veranlassung zu einer Aufforderung an die jüdische Jugend, sich diesem Berufe mehr zuzuwenden. Wenn er damit die Hoffnung verknüpft, daß dadurch eine zweckmäßigere örtliche Verteilung der Juden in die Wege geleitet und die Massenansiedlung in den Großstädten, die er mit Recht als

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