Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 629 (sequence 5)
- Language
- German
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Besprechungen» 629 Gefahr für den jüdischen Volkskörper betrachtet, hintangehalten wird, so scheint uns diese Auffassung sehr optimistisch, ganz abgesehen davon, daß der einzelne jüdische Beamte in den von Juden fast entvölkerten Teilen Deutschlands kaum eine angenehme Position zu erwarten hat. Dagegen halten wir eine innere Kolonisation der deutschen Juden für nicht so aussichtslos, wie SegalL Gewiß müßte eine große Organisation mit einem Millionen-Fonds zu diesem Zwecke geschaffen werden, und sicher sind große Schwierigkeiten zu überwinden, aber der Stand der Landwirtschaft ist heute in Deutschland ein derart blühender, daß ein Versuch mit der inneren Kolonisation in Deutschland sich der Mühe lohnt. Dann erst dürfte die Be- Schickung von jüdischen mittleren Beamten aussichtsvoll sein. — Sehr instruktive Ausführungen macht Segall auch über das Kapitel : Juden in der Rechtspflege, im Gottesdienst, auf dem Gebiete der Bildung und Erziehung und in den sonstigen freien Berufsarten. Es würde aber zu weit führen, darauf einzugehen, zumal die Tatsachen bekannt sind; hervorgehoben sei nur, daß die Zahl der jüdischen Volksschullehrer an öffentlichen Schulen in Deutschland im Sinken begriffen ist. Das vierte Kapitel des SegalFschen Buches läuft in seinem Abschnitte ״Einkommenverbältnisse“ auf eine Abrechnung mit Sombart hinaus. Segall kommt zum Schluß, daß das reale Leben den Berechnungen der Einkommensteuerstatistik, wie sie Sombart aufgestellt hat, widerspricht» Er ist der Meinung, daß die Juden den Höhepunkt ihrer wirtschaftlichen Entwicklung bereits überschritten haben, womit er übrigens mit Sombart überein stimmt, und daß ihre sozialen Verhältnisse, wenn auch nicht ungünstig, so doch nicht so glänzend sind, wie die Ausführungen Sombarts sie erscheinen lassen. Eisen Unterschied im einzelnen zwischen der sozialen Gliederung der Juden und jener der Gesamtheit des deutschen Volkes gesteht Segall zu, er glaubt aber, daß, wie bei der Berufsgliederung, so auch bei der sozialen Schichtung eine Annäherung an die Gesamtbevölkemng allmählich beginnt. Sein letztes Kapitel widmet Segall dem Frauenerwerb. Wie dieser in den letzten 15 Jahren gestiegen ist, mögen folgende Zahlen beleuchten: Im Jahre 1882 waren von den weiblichen deutschen Juden nur 15 94 Prozent erwerbstätig, 1895 schon 21*97 und 1907 bereits 30 Prozent. In der Industrie und im Handel hat sich die Zahl der Angestellten verfünffacht und auch die Arbeiterinnenschaft hat sich um 45 Prozent vermehrt. Zwei Ursachen scheinen nach Segall die auffallend starke Zunahme herbeigeführt zu haben, einmal die gesteigerten Lebensansprüche und dann die Anforderungen, die der