Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 5
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 627 (sequence 3)
- Language
- German
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Besprechungen. 627 der nicht jüdischen Bevölkerung die rationalistische Auffassung ihren Grand vorzugsweise in der Erwägung hat, sich selbst möglichst viel Lebensgenuß zu verschaffen, während bei den Juden daneben der ideale Gedanke ausschlaggebend ist, den Kindern eine möglichst gute Erziehung angedeihen zu lassen und ihnen einen möglichst großen Teil des Vermögens zu vererben. Es geht unseres Erachtens nicht an, die sozial hoch stehenden Klassen der nicht jüdischen Bevölkerung mit den Juden gemeinhin zu vergleichen, sondern man kann die ersteren nur mit den sozial hoch stehenden Klassen der Jaden in Parallele stellen, und ob sich dann noch große Unterschiede finden lassen, steht sehr dahin. Dagegen können wir uns vollständig einverstanden erklären, wenn Segall warnt, die natürliche Zunahme der Juden mit ihrer Fruchtbarkeit zu verwechseln. Solange man nicht den Altersaufbau der deutschen Juden in Verbindung mit ihrer Familienstandsgiiederung für mehrere Volkszählungen besitzt, ist man nicht in der Lage, eine exakte Fruchtbarkeitsstatistik der deutschen Juden aufzustellen. Sache der jüdischen Großgemeinden ist es, Unterlagen für derartige, für den jüdischen Volkskörper hoch wichtige Untersuchungen zu beschaffen und ihre Beibringung nicht dem Staat zu überlassen, der mehr die Verhältnisse der Allgemeinheit festznstellen hat. In seinem zweiten Kapitel behandelt Segall die Erwerbstätigkeit der jüdischen Bevölkerung. Er kommt zu dem Ergebnis, die Zunahme der jüdischen Erwerbstätigen ist beträchtlich hinter jener der Gesamtbevölkerung zurückgeblieben. Die Ursache hierfür liegt In erster Linie in der Berufsgruppierung der deutschen Juden. Infolge ihrer starken Beteiligung am Handel und den freien Berufen einerseits und schwachen Vertretung der Lohnarb eiterklasse anderersehts konnte der Uebergang der bisher berufslosen Angehörigen zur Berufstätigkeit nicht in dem Maße stattfinden, wie bei der Gesamtbevölkerung. Soweit eine Zunahme stattfindet, ist sie hauptsächlich auf eine stärkere Beteiligung des weiblichen Geschlechts am Erwerbsleben zurückzuführen. Im folgenden Kapitel beschäftigt sich Segall mit der berufliehen Gliederung der jüdischen Bevölkerung, die er folgendermaßen charakterisiert: eine sehr breite, aber im Abnehmen begriffene Basis von Handels- und Gewerbetreibenden, darauf eine allmählich wachsende Schicht von industriell tätigen Personen, zwischen diese und die in den freien Berufen Beschäftigten, welche der Spitze zustreben, schiebt sich die Masse der berufslosen Selbständigen. An letzter Stelle stehen die Landwirtschaft und der Dienstboten stand. — Was die einzelnen Berufszweige anbetrifft, so ist der starke Rückgang an 40*