Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Schuldennot der jüdischen Gemeinde Metz
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 614 (sequence 24)
- Language
- German
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614 Die Schuldennot der jüdischen Gemeinde Metz (1791—1854), 16. Für Geschenke an neu ernannte Beamte am Tage ihres Amtsantrittes zu Metz. Deren Notwendigkeit ist dargetan durch das Beispiel des Marächal La Fertö, der beim Anblick der Juden ausrief: »Jaget mir diese Schurken vom Halse, sie haben unseren Herrgott getötet«, dagegen bei der Kunde von den Pistolen, die sie als Antrittsgeschenk mitgebracht hatten, sich sofort eines anderen besann, indem er sie zurückrufen ließ und mit größter Milde und Freundlichkeit behandelte, weil, wie er angab, die Väter aus Unwissenheit gehandelt und für sie jedenfalls die Kinder nicht vefantwörtlich zu machen wären. 17. Endlich die großen Ausgaben, die die Gemeinde zu leisten hatte in ihrem Kampfe gegen die Angriffe der Gewerbetreibenden und der Kaufleute. Diese suchten sie aus gewissen Erwerbszweigen zu verdrängen und hatten jeden Augenblick Prozesse gegen sie zu führen. Wohl waren diese Prozesse gegen einzelne gerichtet. Aber die Gemeinde als solche übernahm die Kosten, weil der einzelne auf die Dauer sie nicht hätte aushalten können. Es war sogar nötig, hin und wieder einen Vertreter nach Versailles zu schicken, um dort hohe und einflußreiche Persönlichkeiten für ihre Sache zu gewinnen, wobei die Geldgeschenke selbstverständlich auch eine bedeutende Rolle spielten. Vom Jahre 1718 hatte die Gemeinde in Versailles sogar einen ständigen Vertreter, wofür ebenfalls ein recht beträchtlicher Betrag ausgeworfen war. Unter dieser Steuerlast hätte unbedingt die Gemeinde zusammenbrechen müssen, wenn nicht die damals auf einmal bei den Metzer Bürgern so beliebt gewordene Geldanlage auf Fonds perdus zu Hülfe gekommen wäre. Schon in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts hattedie Metzer Gemeinde große Summen oder Liegenschaften, ferner auch das Eigentumsrecht von verschiedenen Synagogen plätzen erhalten. Dafür aber hatte sie die Verpflichtung übernommen, an bestimmte arme Familien, die in den Legaten benannt