Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die Schuldennot der jüdischen Gemeinde Metz
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 602 (sequence 12)
- Language
- German
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602 Die Schuldeiinot der jüdischen Gemeinde Metz (1791—1854). 30. November 1715 bewilligten ihnen eine Gebühr von 40 Livres für jede in dem Metzer Lande ansässige Familie. Sobald dies bekannt geworden war, unternahmen die Metzer Juden alle möglichen Sehritte zur Hintertreibung dieser Neübelastung. Aber gegen den Einfluß eines Herzogs von Orleans sahen sie sich außerstande aufzukommen. Nur insofern allerdings erfuhren die beiden Verbündeten eine Enttäuschung, als sie in Metz und Umgegend 1200 jüdische Familien vermutet und daher auf eine Jahreseinnähme von 50.000 Livres gerechnet hatten, während in Wirklichkeit nur 400 Familien vorhanden waren. Darüber ungehalten, suchte der Herzog jede Gelegenheit wahrzunehmen, den Juden neue Schwierigkeiten zu bereiten, in der Erwartung, für den ihnen in solchen Fällen zu gewährenden Schutz höhere Summen erzielen zu können. Ganz besonders aber regte er sich über sie auf, als er von ihren Schritten beim König und von ihren sonstigen Bemühungen erfuhr, diese Taxe von sich abzuwälzen. Denn es ließen in der Tat die Juden kein Mittel unversucht, von dieser demütigenden, bis jetzt in Frankreich unbekannt ■gewesenen Steuer, sich zu befreien. Sie warben sogar um den Schutz einer dem Herzog entgegenarbeitenden Partei und hatten auch wirklich bei den Mitgliedern des Parlaments erreicht, daß man absichtlich mit der Einregistrierung der Freibriefe sehr langsam verfuhr, um womöglich in der Zwischenzeit den günstigen Moment zu treffen, in dem die vor den Staatsrat gebrachte Beschwerde der Juden Aussicht auf Erfolg haben würde. Dies genügte, um den Herzog vollständig auf die Seite der Gegner zu treiben. Diese fanden sich ganz besonders unter den Genossenschaften der Handwerker und der Kaufleute, die in den Juden ihre Konkurrenten erblickten. Und waren sje bis jetzt mit ihren Forderungen gegen die Juden von den Gerichten abgewiesen worden, so glaubten sie jetzt, auf die Unterstützung des Herzogs und seinen