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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1913-01-01 · Heft 5 · p. Seite 520

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
57 (1913)
Issue
Heft 5
Article
Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
Date
1913-01-01
Page
Seite 520 (sequence 8)
Language
German
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520 Die neuhebräische Aulklärungsliteratur in Galizien. war, insofern sie in jüdischem Gewände erschien —־ schrieb er doch selbst ein ganz einwandfreies, an die spanische Schule sich anlehnendes Hebräisch, verkehrte er doch auch mit einigen gemäßigten Maskilim: mit Mei'r Letteris, Jakob Samuel Byk und mit dem »Nabi«, der in seinem Hause als Hauslehrer aus-und einging — so war er doch ein grundsätzlicher Gegner der Berliner Haskala, jener oft allzu radikalen Bewegung, welche nach fremden Mustern »Bildung und Fortschritt« aufdrängen wollte. So trat er denn aller Neuerungssucht entgegen und lehnte sogar Josef Perls, des großen Reformators in Tarnopol, Anerbieten ab, in Lemberg eine jüdische Schule nach dem Muster der Tarnopoler gründen zu lassen. Die einzige Opposition im jüdischen Lager gegen den allverehrien R. Ornstein bildete der um den jungen Gelehrten Salomo Lob Rapoport sich gruppierende winzige Maskilimkreis. Von dem Tone, der hier gegen den ehrwürdigen Rabbi herrschte, zeugt am besten der Umstand, daß Rapoport jedermann, der es hören wollte, die Quellen nachwies, denen Ornstein seine 1809—1811 gedruckten »Chidduschim« über den Schulchan Aruch entnahm. Nun kamen noch zwei Umstände hinzu: Josef Tarier, eines der wichtigsten Mitglieder des Lemberger Maskilimkreises, der geistige Ahnherr des größten neuhebräischen Satirikers, isaak Erter, den wir noch näher kennen lernen werden, hatte infolge der Verfolgungen seitens des berühmten Chassidimrabbis, Rabbi Elimeiech von Dynow, sich taufen lassen; ein anderes Mitglied aber, der Nabi, wie oben erwähnt, Bibellehrer im Hause des Gaon, hatte eines Tages hier, im Sanktissimum des alten Herkommens, ein kleines Büchlein, die hebräische Übersetzung einer philosophischen Schrift von Mendelssohn, zurückgelassen, welche dem Hausherrn in die Hand fiel. Das schlug dem Faß den Boden aus. Im ganzen konservativen Israel begann es zu gähren. An einem Morgen des Jahres 1816 fand man an der Haupt- Synagoge in Lemberg einen Bannbrief angeklebt, der vor

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