Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 516 (sequence 4)
- Language
- German
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516 Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien. nur offiziöse »Deutsche«. Um jene Zeit erschien aber in Lemberg ein echter Deutscher jüdischen Glaubens, der ä lä petit mäitre gekleidet war und sich in die beste Ge- Seilschaft eihzUschleichen verstand. Es war dies ein schlesischer Jude, namens Goldschmidt, ein Abenteurer und Glücksritter, der sich bei den Behörden so beliebt zU machen wußte, daß man ihm eine einträgliche Stellung bei der Salinen Verwaltung mit 4000 fl. Gehalt und eben so viel Tantiemen ah vertraute1). Die »Deutschen«, das »Deutsche«, bedeutete damals den Einen; den religiösen und bürgerlichen Fortschritt, den Anderen die Ketzerei. Die deutsche Häutung kam aber auch bezüglich des Äußeren nicht plötzlich, Unvermittelt, sondern stufenweise. Man begann mit der Kürzung des Chalat, bis er sich dem deutschen, eigentlich internationalen, Gehrock näherte. Dann kam die Kürzung der Seitenlocken. Der erste Schritt 1 Die Beinkleider wurden nicht mehr in die Stiefelschäfte gesteckt, sondern über den Stiefeln als Pantälons getragen. Mancher Maskil war draußen in Leipzig, Berlin und Wien echtester Deutscher. Kaum hatte er aber nach Jahren das Weichbild der Vaterstadt betreten, so zog er sofort wieder das »jüdische« Gewand an. — Endlich, nach Jahren der Heuchelei, veranstaltete man einen großen Empfang, die Gäste strömten herbei. Ihrem entzückten Blick enthüllte sich in tadellosem deutschen Anzug und Zylinder der Hausherr — der Deutsche war fertig. Im ersten Viertel des XIX. Jahrhunderts ist der Lemberger Maskilimkreis schön bedeutend größer. Es gab damals bereits viele autochthone Maskilim, die besten Mannen der galizäschen Haskala: Salomo Loeb Rapoport, Jehuda Loeb Mises, Isaak Erter, die beiden Jölles, Vater und Sohn, Benjamin Hirsch Nätkes. Daneben gab es auch viele »Deutsche« mit großem hebräischen Wissen, z. B. den berühmten, außeror- *) Przewodnik Iiter. i riankowy. (Liiterar-wissensch. Führer), Jahrg. 1895. S. 944 und 1070.