Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Die neuhebräische Aufklärungsliteratur in Galizien
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 515 (sequence 3)
- Language
- German
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Die neuhebräische Aufklärungsliteraiur in Galizien. 515 achtziger Jahren des XVIII. Jahrhunderts. Es waren dies die Lehrer der neubegründeten jüdischen Normalschulen mit dem berühmten zum Inspektor ernannten Herz Homberg an der Spitze. Homberg, der Hauslehrer der Kinder Mendelssohns und Mitglied des Berliner Biuristenkreises, stellte selber auf dem einfachsten Wege die Verpflanzung der Berliner Haskala nach Galizien dar. Daß weder der Lehrkörper noch der Herr Schulrat bei den Juden in Lemberg oder auch sonst in Galizien Anklang fanden, und daß die wohlhabenden jüdischen Familien es vorzogen, lieber große Geldstrafen zu leisten, als ihre Kinder in die josephinischen Schulen zu schicken, möge man anderswo nachlesen1). Mittelschüler jüdischer Konfession gab es damals in Lemberg gar wenige und zwar ausschließlich den ärmsten Schichten angehörende. Der Knabe Isak Rüben Pinkas, der mit gutem Erfolge die Normalschule absolviert hatte, trat ins Gymnasium ein, trug hier aber die jüdisch-polnische Kleidung, weshalb er von seinen Mitschülern ausgelacht wurde. Seine Eltern waren zu arm, ihm ein passendes Gewand zu verschaffen. Die wohlhabenden Israeliten mochten ihn wohl nicht unterstützen,» da sie Feinde der Schule waren. Da wandte sich der Knabe (Oktober 1787) direkt an Josef II. Der Kaiser übergab die Bittschrift der Hofkanzlei, beziehungsweise der Studienhofkommission. Hier referierte über sie der bekannte Abt von Braunau, Birkenstein, zu Gunsten des Knaben, und dieser erhielt eine »ehrbare« Kleidung auf Kosten der galizisch-jüdischen Gefällskasse2)־ Die um Homberg sich gruppierenden Lehrer, sowie die wenigen jüdischen Studierenden waren die ersten »Deutschen« — so nannte das Volk die der Aufklärung sich zuneigenden Israeliten, welche zugleich die deutsche Tracht annahmen — in Lemberg, wohl auch in ganz Galizien. Doch waren dies >) Rocznik Zydowski 1906 S. 118—158. Dr. M. Balaban: Herz Homberg u. die josephinischen Schulen. s) Neuzeit, 1894. S. 1894. S. 314. 33’