Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 57 (1913)
- Issue
- Heft 4
- Article
- Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden
- Date
- 1913-01-01
- Page
- Seite 499 (sequence 18)
- Language
- German
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Die russische Regierung und die westeuropäischen Juden. 499 zösischen und englischen Juden rechnete. Lilienthal wird sich wohl mit Montefiore auf privatem Wege verständigt haben. Denn zwei Monate darauf kam von dem Sekretär Montefiores Dr. Loewe, eine Mitteilung, daß Montefiore im Winter sogar bereit sei, nach Rußland zu gehen, um an den Arbeiten der Kommission teilzunehmen, unter der Bedingung, daß ihm die Einladung des Ministeriums durch die Vermittlung der russischen Botschaft in London überreicht werde. Dieser Brief Loewes blieb ohne Antwort1). Zwei Jahre waren verflossen, seitdem die Regierung den Entschluß gefaßt hatte, ausländische Lehrer zu berufen. Philippson hielt die deutschen Juden auf dem Laufenden über all das, was mit der beabsichtigten Schulreform irgendwie in Zusammenhang stand. (Allg, Ztg. 1842, Nr. 45, 48, 49, 52; 1848, Nr. 1, 2, 7, 12). Er konnte nicht umhin, die Aufmerksamkeit seiner Leser auf die allgemeine Politik der Regierung in betreff der Juden zu lenken. Indem er von den Beschränkungen schrieb, denen die J uden unterworfen waren, versuchte er (Allg. Zeitg. 1843, Nr. 1) an das Herz des Zaren zu appellieren. Aber bald mußte er sich damit begnügen, die traurigen Tatsachen einfach festzustellen. Die repressiven Maßregeln mehrten sich. Es war in den Spalten der »Allg. Zeitg.« keine Rede mehr von der Schulreform. Das Vorhaben, ausländische Juden zu berufen, war schon längst aufgegeben worden*). ף Montefiore kam erst 1846 nach Rußland; im Verlaufe der ihm vom Zaren bewilligten Audienz brachte Montefiore sein An- Hegen inbetreff der Lage der Juden vor; er machte eine Reise durch Rußland und unterbreitete nach seiner Rückkehr nach London dem Präsidenten des jüdischen Komitees, Kisseleff, eine Denkschrift; eine besondere Denkschrift sandte er Uwaroff ein, der sie beantwortete. s) Aus welchem Grunde die ausländischen Juden nicht berufen wurden, ist unbekannt; es sei nur bemerkt, daß die gebildeten russischen Juden mit der geplanten Berufung der Ausländer unzufrieden waren. Die neu errichteten jüdischen Schulen hatten keinen Erfolg, brachten aber doch gewissen Nutzen. Besonders unzweckmäßig war die Ein-